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Die 2 unbekanntesten Museen von Mexiko Stadt

Museo Casa de Leon Trotsky: Hautnah ein Stück Weltgeschichte erleben

Für Weltgeschichte-Fans ist das Museo Casa de Leon Trotsky ein absolutes Must-See. Das Haus, in dem der russische Denker seine letzten Lebensjahre verbrachte und wo sich auch sein Grab befindet, liegt im malerischen Stadtteil Coyoacan.

Nachdem Stalin ihn 1929 aus der Sowjetunion ausgewiesen hatte, versuchte Leo Trotski in mehreren europäischen Ländern im Exil zu leben. Stalins Agenten hefteten sich jedoch an seine Füße und Europa wurde für den russischen Dissidenten zu einem gefährlichen Ort. Die kommunistisch orientierten mexikanischen Künstler Frida Kahlo und Diego Rivera sympathisierten mit seinen Ideen und setzten sich bei Präsident Lazaro Cardenas dafür ein, Trotski in Mexiko als politischen Flüchtling zu akzeptieren.

Trotskis Asyl in Mexiko

Per Schiff erreichte Trotski Anfang 1937mit seiner zweiten Frau Natalia die mexikanische Küste und lebte mit dem Künstlerpaar zwei Jahre in ihrem "Blauen Haus". Kahlo soll eine heiße Affäre mit dem Intellektuellen begonnen haben. Sie wusste, dass Diego den russischen Denker für seine Ideen bewunderte. Gerüchte besagen, dass sie mit der Liaison Rache an den schmerzlichen Abenteuern ihres Mannes nehmen wollte. Die Romanze der beiden endete, als Natalia und Diego von der Affäre ihrer Partner erfuhren.

Trotzki und Natalia mussten aus dem "Blauen Haus" in das Haus des heutigen Museums umziehen. Trotzki fühlte sich in Mexiko-Stadt sicher und er veröffentlichte von hier aus weiterhin Schriften gegen Stalins eisernes Regime.

Totskis Attentäter erschlich sich sein Vertrauen

Einer seiner offensichtlich stärksten Sympathisanten war der Spanier Ramón Mercader. Er war jedoch nach Mexiko Stadt gereist, um eine grausame Mission zu erfüllen, die Stalin aus Moskau dirigierte. Über einen längeren Zeitraum hindurch hatte sich der spanische Agent Trotzkis Vertrauen erschlichen und war im Haus der Familie ein gern gesehener Gast.

Als Mercader im  August 1940 mit Trotzki allein in seinem Arbeitszimmer war, schlug er von hinten brutal mit einem Eispickel auf den Schädel des Russen ein. Trotzki war nicht sofort tot und konnte sich sogar noch wehren und um Hilfe schreien, doch seine Leibwächter kamen zu spät. Der Revolutionär starb nur einen Tag später an den Folgen des Attentats im Krankenhaus. Er erhielt in Mexiko Stadt ein Begräbnis.

Trotskis Familie kämpfte weiterhin für seine Ideen

Natalia blieb bis zu ihrem Tod in Mexiko Stadt und machte sich daran, Trotzkis Ideen hartnäckig zu verbreiten. Sein Attentäter Mercader wurde für zwei Jahrzehnte in Mexiko inhaftiert und lebte dann zwischen Kuba und der Sowjetunion, wo Stalin ihm für die Ermordung an dem russischen Intellektuellen Ehrenstatus zuerkannte.

Trotzkis Grab befindet sich direkt neben dem Natalias im ruhigen Garten des Hauses.

Esteban Volkov, Trotzkis Enkel aus erster Ehe, verwaltet das Museum noch immer. Das Museo Casa de Leon Trotsky bietet tägliche Führungen auf Spanisch und Englisch an und beherbergt einen kleinen Shop mit Kuriositäten und allerlei Trotzi-Artikeln.

http://museotrotsky.com/

Museo Casa de Leon Trotsky

Calle Rio Churubusco 410 

04100 Colonia del Carmen, Coyoacán, Mexiko Stadt

 

Museo Sitio de Tlatelolco: Dem Studentenmassaker von 1968 auf der Spur

Eine friedvolle Stimmung liegt über der Plaza de Tres Culturas im Stadtteil Tlatelolco. Doch nur zehn Tage vor den Olympischen Sommerspielen von 1968 war dieser Ort Schauplatz eines unvergleichlich brutalen Massakers. Bei einer organisierten Demonstration feuerten Regierungstruppen ohne Vorwarnung in eine Gruppe wehrloser Studenten und ermordeten eine bis dato unbekannte Zahl von Menschen. Experten sehen das Blutbad an den Studenten als Wendepunkt in Mexikos politischer Landschaft: von einem autoritären zu einem demokratischeren Land. Das Museo Sitio de Tlaltelolco auf der Plaza de Tres Culturas erzählt von diesem dunklen Kapitel der jüngsten Geschichte der Hauptstadt.

Mexiko unterdrückte die Studentenbewegung mit allen Mitteln

1968 war von Studentenbewegungen und organisierten Demonstrationen auf der ganzen Welt geprägt. Im gleichen Jahr fanden die Olympischen Sommerspiele in Mexiko Stadt statt und die autoritäre Regierung setzte alles daran, um in der Welt ein positives Bild über Mexiko zu verbreiten. Sie ging dabei besonders brutal gegen die aufkommende Studentenbewergung vor. 

Die Studenten begannen in der ganzen Hauptstadt, gegen die Repressionen der Regierung zu protestieren. Am 2. Oktober 1968 riefen sie zu einem friedlichen Treffen auf der Plaza de Tres Culturas im Stadtteil Tlatelolco auf. Rund 6000 Menschen wurden von Militär und Polizei genau beobachtet. Plötzlich fielen Schüsse. Scharfschützen, die auf Gebäuden rund um den Platz herum postiert worden waren, feuerten ohne Vorwarnung auf die unbewaffneten Demonstranten. Ohne zu wissen, woher genau die Schüsse kamen, feuerte das Militär in die Menge der wehrlosen Teilnehmer. Zahlreiche Studenten, Journalisten und Regierungskräfte verloren dabei ihr Leben und viele wurden verhaftet, eingesperrt oder verschwanden gänzlich. Die Toten wurden auf Lastwagen weg geschafft. Aus Angst unterließen es die Familien der Verschwundenen, Vermisstenanzeigen zu erstatten. Journalisten und Reporter mussten ihre Fotos  abgeben. Nichts sollte über dieses Blutbad nach außen dringen. 

Informationen ans Ausland wurden verhindert

Die Regierung verbreitete die Nachricht, dass das Massaker von den Studenten selbst provoziert worden war. Obwohl Präsident Gustavo Díaz Ordaz ein Jahr nach dem Blutbad Verantwortung für den Mord an den Demonstraten einräumte, leitete seine Regierung nie eine förmliche Untersuchung ein.

Díaz Ordaz erklärte die Spiele zynischerweise zu den "Olympischen Spielen des Friedens" und verhinderte mit allen Mitteln, dass Details des Massakers ans Ausland durchsickerten. Ausländische Journalisten, die wegen der Spiele nach Mexiko gekommen waren, stürzten sich mit Gier auf die Geschichte und verbreiteten das Blutbad in ihren Zeitungen. Mario Menéndez Rodríguez, Direktor der Zeitung "Por que?", veröffentlichte als einzige nationale Zeitung eine Titelgeschichte mit mehreren Fotos des Massakers. Dafür musste er einen hohen Preis zahlen: Er wurde zunächst inhaftiert, dann seiner Staatsbürgerschaft beraubt und schließlich aus seinem Heimatland verwiesen. Der weltbekannte mexikanische Schriftsteller Octavio Paz legte aus Protest gegenüber der Haltung der Regierung seine Position als Botschafter Mexikos in Indien zurück.

Aufklärungsversuche und Errichtung eines Denkmals

Erst im Jahr 2000 ordnete der ehemalige mexikanische Präsident Vicente Fox die Öffnung der Tlalelolco-Akten an. Seine Untersuchung ergab, dass die Scharfschützen von der Regierung selbst auf den Gebäuden positioniert worden waren, um so das blutrünstige Massaker zu provozieren. Die Zahl der Toten und Vermissten wird auf 300 bis 550 Personen geschätzt, steht aber noch immer nicht genau fest. 

Im Jahr 2011 erklärte die Regierung den 2. Oktober zum "Dia de Duelo Nacional" (Nationaler Trauertag)  und ließ auf der Plaza de Tres Culturas ein Denkmal errichten.

In den Räumen des Museums, die dem Massaker gewidmet sind, lernen Besucher alle Details der Periode vor, während und nach den Olympischen Spielen kennen und können der mexikanischen Studentenbewegung folgen. Das Museum zeigt Foto- und Videomaterial und Besucher sollten sich zumindest einen halben Tag Zeit dafür nehmen. 

Auf der nahegelegenen Plaza de Tres Culturas erzählen lokale Führer persönliche Geschichten und zeigen auch die Einschusslöcher an den Wänden der Gebäude rund um den Platz.

http://ccutlatelolco.com/exposiciones/museo-de-sitio-tlatelolco/

Museo Sitio de Tlalteloclo

Ricardo Flores Magón 1

06995 Colonia Nonoalco, Tlatelolco, Mexiko Stadt