Autoren-Blogger Relations

Meine Gesprächspartnerin: Monika Schulze/suechtignachbuechern.de

 
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– Bitte stell dich kurz vor: Wer bist du und wie hast du mit Büchern zu tun?

Mein Name ist Monika, ich bin 36 Jahre alt und arbeite als Erzieherin an einem Förderzentrum für geistige Entwicklung.

Fast meine gesamte Freizeit verbringe ich jedoch mit Büchern. Vor sieben Jahren habe ich einen eigenen Buchblog mit dem Namen „Süchtig nach Büchern“ gegründet. Dafür lese und rezensiere ich viel und unterstütze Autoren auch bei ihrem Buchmarketing. Gemeinsam mit den Autoren plane ich Aktionen, gebe meine Erfahrungen weiter und vermittle andere Blogger.

– Wie bist du Buch-Bloggerin geworden? Über welche Genres bloggst du?

Da ich in meinem privaten Umfeld niemanden habe, der so viel wie ich liest, habe ich im Internet nach Gleichgesinnten gesucht. Auf Facebook bin ich dann auf die ersten Buchblogs aufmerksam geworden und mir war klar: So etwas möchte ich auch!

Danach ging es schnell: Zuerst habe ich eine Facebook-Seite eröffnet, weil ich Angst vor der Technik hatte. Nachdem mir einige anderen Blogger gut zugeredet und mich beim Erstellen eines Blogs unterstützt haben, habe ich mich schließlich doch rangetraut. Und seitdem nicht mehr damit aufgehört.

Am liebsten lese ich Fantasy, Dystopien, Jugendbücher, Liebesgeschichten und Romane mit Familiengeheimnissen. Ab und zu sind auch historische Romane dabei.

– Viele Buch-Blogger bloggen in ihrer Freizeit, ohne Geld damit verdienen zu wollen.

Gibt es Blogger, die mit ihren Buch-Blogs Geld verdienen? Falls ja: Was machen sie anders?

Soweit ich weiß ja, wobei ich nicht so viel Einblick habe. Weil es für mich nicht in Frage kommt.

Einige Blogger gehen direkte Kooperationen mit Firmen ein oder schalten Werbeanzeigen auf ihrem Blog. Sehr beliebt sind auch Affiliate-Links: Sie verlinken meist zu Online-Shops. Kaufen Leser die Bücher über diesen Link, kann das auf den Blogger zurückverfolgt werden: Der Blogger bekommt pro Kauf eine Provision.

Aus meiner Sicht ist ein Blogger, der solche bezahlten Kooperationen eingeht, gebundener. Denn er muss sich an Absprachen halten. Das würde bei mir eher zu Stress führen, weil ich nur am Blog arbeite, wenn ich Zeit übrig habe.

In meinen Augen müssen Blogger, die mit ihrem Blog Geld verdienen möchten, auch sehr strukturiert sein.

- Was macht einen guten Blogger deiner Meinung nach aus?

Für mich persönlich ist Authentizität wichtig. Der Blogger sollte er selbst bleiben und das machen, worauf er Lust hat.

Es bringt nichts, sich zu verbiegen, um mehr Leser zu bekommen. Das wirkt verkrampft, was sich negativ auswirken kann. Dagegen hat ein Blog mit einer persönlichen Note mehr Widererkennungswert und hebt sich von anderen Blogs ab.

Neben den üblichen Beiträgen, die alle Blogger posten (beispielsweise Rezensionen, Interviews, Buchvorstellungen), sollte der Blog kreative Aktionen zeigen oder ernste Artikel zu buchigen Themen posten.

Alles, was sich positiv von anderen Blogs abhebt, ist super. Dabei sollte immer das Thema Buch im Mittelpunkt stehen und nicht etwa anderen Motive, wie Followerfishing.

Mein Eindruck ist, dass bei fast allen Bloggern wirklich die Liebe zum geschriebenen Wort im Vordergrund steht.

– Welche Vorteile bringt einem Autor die Zusammenarbeit mit einem Blogger?

In erster Linie dient die Zusammenarbeit mit einem Blogger der Sichtbarkeit.

Heutzutage reicht es als Autor nicht mehr, nur ein Buch zu veröffentlichen. Wenn der Autor nichts tut, geht er mit seinem Buch in der Flut der Neuerscheinungen unter.

Da hilft nur: präsent sein.

Das frisst jede Menge Zeit und genau deswegen sind Blogger ein zusätzlicher Vorteil: Der Autor bekommt kostenlose Werbung, bei der er den Großteil der Arbeit abgeben kann. Außerdem erreicht der Autor zusätzliche Leser, weil die Blogger noch andere Plattformen bedienen.

Viele Blogger haben kreative Ideen, um Bücher oder Autoren vorzustellen. Solche Aktionen bleiben länger in den Köpfen der Leser. - Und damit die entsprechenden Bücher.

Ich selbst habe viele Bücher durch Blogbeiträge entdeckt und denke, dass ich damit nicht alleine bin.

– Vor kurzem habe ich deinen tollen Artikel über die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Autoren gelesen.

Was können Autoren deiner Meinung nach verbessern, wenn sie Buch-Blogger anschreiben?

Bevor der Autor überhaupt Blogger anschreibt, sollte er sich Fall genügend Zeit nehmen, um die richtigen Blogs auszuwählen.

Der Autor muss Recherche betreiben und sich die Blogs genau ansehen: Welche Genres liest der Blogger? Ist er für Anfragen offen? Wie schreibt er seine Rezensionen? Was sind seine Vorlieben? Passt der Blog zum eigenen Buch? Welche Aktionen gibt es sonst noch?

Hat der Autor einen passenden Blog entdeckt, dem er sein Buch gerne anbieten möchte, schreibt er am besten eine persönliche Mail.

Niemand mag Copy & Paste-Nachrichten. Zu einem Anschreiben gehört eine direkte Anrede mit Namen. Diesen findet der Autor im Impressum des Blogs, das für jeden Blogger Pflicht ist.

Jeder Blogger freut sich zu wissen, warum sich der Autor für ihn entschieden hat. Aber auch hier gilt: Individuell und persönlich bleiben und keine Floskeln verwenden! Blogger besprechen sich untereinander. Und es kommt gar nicht gut an, wenn jeder dieselbe Nachricht bekommt.

Danach sollte der Autor von sich und seinem Buch erzählen. Ich persönlich mag es, wenn der Autor seine Geschichte in eigenen Worten beschreibt und einen Link zu seiner Webseite mitschickt, damit ich mich zusätzlich informieren kann.

Am Ende sollte der Blogger rauslesen können, was der Autor gerne möchte. Soll der Blogger eine Rezension schreiben, das Buch nur vorstellen oder ist etwas anderes gewünscht? Und was bietet der Autor dafür an?

Ich finde hier wichtig: Sei einfach du selbst und verbieg dich nicht!

- Manchmal erwarten Autoren, dass ihnen die Blogger positive Rezensionen geben.

Was kann ein Autor von einem Buch-Blogger erwarten?

Auf jeden Fall eine ehrliche Rezension.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie positiv sein muss. Darüber sollten sich Autoren von Anfang an klar sein. Bietet der Autor einem Blogger das eigene Buch an und bittet ihn um eine Rezension, muss er mit Kritik rechnen. Oder dass der Blogger das Buch nicht mag. Das muss man als Autor aushalten können.

Blogger schreiben aber nicht nur Rezensionen, sondern sie bieten auch interessante und kreative Aktionen an, an denen sich Autoren beteiligen können. Das ist eine tolle Gelegenheit, das eigene Buch ins Gespräch zu bringen!

Mit manchen Bloggern kann der Autor eine längerfristige Zusammenarbeit aufbauen. Dann muss er nicht immer von vorne beginnen, wenn es um die Suche von Blogs geht und spart sich viel Recherche-Arbeit.

– Vor allem im Sachbuchbereich ist es herausfordernder, als unbekannter Autor Blogger zu finden.

Was würdest du einem Sachbuch-Autor empfehlen?

Für Sachbuchautoren ist es schwieriger geeignete Blogger zu finden, da diese weniger als Romane gelesen werden. Die Autoren müssen sich intensiver mit den Blogs auseinandersetzen und recherchieren, wer sich für das entsprechende Thema interessiert.

Am einfachsten erreicht ein Autor die Blogger (und Leser) aus meiner Sicht auf Social Media Plattformen. Dort kommt man schnell und unkompliziert ins Gespräch.

Inzwischen gibt es viele Buchgruppen, die es den Autoren einfacher machen, Blogger zu finden.

– Den Autoren rate ich, sich die Reichweite und SEO-Kenntnisse des Bloggers anzusehen.

Die längste und beste Rezension bringt dem Autor nicht viel, wenn der Blogger wenige Leser hat oder seine Artikel nicht gut im Web positioniert. Was denkst du darüber?

Ich bin da anders gestrickt und sage: Zahlen sagen nichts über die Qualität eines Bloggers aus.

Man darf nicht vergessen, dass viele die Rezension nicht nur auf dem eigenen Blog teilen, sondern auch auf Verkaufsportalen, wie beispielsweise Amazon. Dort werden Rezensionen sogar häufiger als auf Blogs gelesen.

Die Autoren sollen sich besser die Rezensionen der Blogger ansehen. - Denn dort gibt es große, qualitative Unterschiede. Ein Blick auf die anderen Aktionen auf dem Blog sagt aus meiner Sicht viel über die Kreativität des Bloggers aus.

Wichtig ist auf jeden Fall, den entsprechenden Blog genau unter die Lupe zu nehmen und Erwartungen VORHER abzuklären, damit es im Nachhinein keine Enttäuschungen gibt.

Leider passiert es häufig, dass Blogger mit hoher Reichweite oder vielen Leser ausgebucht sind und keine neuen Anfragen annehmen. Mit kleineren oder neueren Blogs haben es die Autoren oft leichter.

– Im online Buchmarketing gibt es zwei wichtige Begriffe: Traffic (Besucher) und Conversion (Besucher vs. Käufer).

Die Buchverkaufsplattformen ranken die Bücher höher, die höhere Conversion haben. Oft sehe ich aber, dass Buch-Blogger von ihren Rezensionen direkt auf die Amazon-Buchseite des Autors weiter verlinken. So gelangt viel Traffic dorthin, der das Buch eventuell nicht kauft und die Conversion sinkt. Besser sollte der Blogger auf die Webseite des Autors verlinken. Entscheiden die Blogger selbst, wie sie die Verlinkungen machen?

Blogger entscheiden entweder in Absprache mit dem Autor oder selbst, wohin sie verlinken.

Manche Blogger sind im Partner-Programm von Amazon und setzen Affiliate-Links zur entsprechenden Buch-Seite auf Amazon. Klickt ein Leser auf diesen Link und kauft das Buch über diesen Link, kann das auf den Blogger zurückverfolgt werden. Er bekommt eine Provision für diesen Verkauf. Das könnte ein Grund dafür sein.

Ich denke, dass ein Autor Wünsche äußern kann, wenn er mit Bloggern zusammenarbeitet. Deshalb ist es wichtig, genaue Absprachen zu treffen, damit die Zusammenarbeit für beide Seiten gewinnbringend ist.

– Manchmal bemerke ich, dass sich Autoren zu sehr auf Blogger verlassen.

Je nach Reichweite oder SEO-Kenntnissen des Bloggers bleiben die Rezensionen im Web und generieren Traffic und Käufer. Dahinter steht von Seiten der Autoren keine weitere Strategie und nach kurzer Zeit ist das Buch im Internet verschollen. Wie ist dein Eindruck?

Ja, das stimmt. Es ist nicht damit getan, wenn man sich als Autor bei einer Aktion beteiligt oder ein paar Blogger eine Rezension geschrieben haben.

Ich denke, der Autor muss mit seinem Buch IMMER präsent sein und im Gespräch bleiben. Nur so bleibt das Buch im Kopf.

Auf Facebook folge ich vielen Autoren, und da gibt es große Unterschiede.

Aber man darf nicht vergessen, dass so eine Präsenz viel Zeit verschlingt. Diese Zeit fehlt bei anderen Dingen.

Manchmal denke ich, es ist ein Teufelskreis. - Ich bewundere Autoren, die das alles unter einen Hut bekommen.

Persönlich rate ich den Autoren, regelmäßig zu posten und sich bei verschiedenen Bloggern auf Aktionen zu bewerben. Dafür muss der Autor die entsprechende Zeit einplanen.

– Im Buch-Bereich gibt es Fachmessen und Events für Autoren.

Gibt es diese auch für Blogger? Falls ja, treten dort auch andere Branchen-Experten auf?

Ich habe noch keine Fachmesse für Blogger besucht und nichts von solch einer Veranstaltung gehört.

Tatsächlich würde ich mich sehr über eine solche Veranstaltung freuen!

Auf den Buchmessen (Leipzig und Frankfurt) gibt es manchmal einzelne Vorträge. Wobei ich finde, dass wir Blogger zu kurz kommen.

Gerade im rechtlichen Bereich gibt es viele Unsicherheiten (beispielsweise beim Urheberrecht oder bei der DSGVO). Da wäre ein Vortrag oder ein Workshop von einem Experten sehr hilfreich!

Auch ein kleiner Fotokurs würde mir sehr viel Spaß machen! Gerade jetzt, wo Instagram an Bedeutung gewinnt, sind gute Fotos Gold wert. So ein Workshop wäre für Blogger UND Autoren interessant!

– Welche Tipps würdest du einem Erstlingsautor mitgeben?

Nimm dir Zeit für Marketing und deine Social Media Kanäle. Es reicht nicht, nur ein gutes Buch zu schreiben. - Es muss auch gesehen werden.

Trau dich und sei mutig: Schreib Blogger an, lass dich aber nicht von Absagen abschrecken. Sag offen und ehrlich, was du dir wünschst und was du bieten kannst. Missverständnisse können im Vorhinein verhindert werden, wenn du die Punkte ansprichst, die dir selbst wichtig sind.

Stürz dich ruhig ins Getümmel! - Wer weiß, vielleicht gefällt es dir dort ja!

- Wie können dich Autoren erreichen?

Am besten über E-Mail: kontakt@suechtignachbuechern.de

Vielen Dank für deine Zeit!

Buchblogger und Rezensionen Interview mit Monika Schulze.png