Wie die Initative #WirlesenFrauen die Sichtbarkeit von Autorinnen pusht

Meine Gesprächspartnerin: Eva-Maria Obermann/schreibtrieb

 
 

– Bitte erzähl uns, wie du zum Thema Buch Bezug hast, Eva-Maria

Mein Leben ist Literatur, denn so ziemlich jeder Bereich ist mit Büchern verknüpft.

Ich habe in Mannheim Literaturwissenschaft sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert und promoviere im Bereich Literatur. Außerdem schreibe ich selbst.

Im März 2017 veröffentlichte ich den ersten Teil meiner urban Fantasyreihe „Zeitlose“, die ich dieses Jahr noch mit dem dritten Band beende. Daneben erschien im gleichen Jahr mein humoristischer Liebesroman „Ellas Schmetterlinge“ und im letzten Jahr der zweite Zeitlose-Teil und die Rapunzel-Adaption „Tropfen der Ewigkeit“.

Und dann bin ich auch noch Buchbloggerin. Es vergeht also kein Tag, an dem ich nicht irgendetwas mit Büchern mache.

- Du hast vor kurzem auf deiner Webseite und auf Social Media die Aktion #WirlesenFrauen ins Leben gerufen.

Was hat dich dazu motiviert und was willst du damit erreichen?

Auf dem Literaturmarkt werden Autorinnen nach wie vor weniger beachtet wie Männer. Ihnen werden spezielle Themen zugeordnet: vor allem Liebe und Kinder.

Darüber hinaus werden nur wenige Frauen verlegt und wenn, dann nur in Kleinauflagen. Die großen Titel bekommen männliche Autoren.

Frauen haben es schwerer, einen Buchvertrag zu bekommen, mit ihrem Buch in einer Buchhandlung zu landen und die gleiche Aufmerksamkeit zu bekommen wie männliche Autoren. Und das liegt mit Sicherheit nicht an der Qualität ihrer Bücher.

Auch in den aktuellen Herbstkatalogen finden sich Verlage, die etwa 30% Autorinnen verlegen. Das ist lächerlich.

Es macht das Schreiben für Frauen noch brotloser, drängt sie in Klischee-Genres und lässt die „hohe Literatur“ als Männernische übrig.

Dagegen will ich mit #WirlesenFrauen angehen. Es gibt großartige Autorinnen: Starke Stimmen, die etwas zu sagen haben und Bücher, die begeistern. Wenn wir Aufmerksamkeit für das Thema schaffen, können wir die Leser*innen dazu bringen, in ihre Bücherregale und die Regale ihrer Lieblingsbuchhandlung zu sehen.

Und zwar nicht nur im Hinblick auf Autorinnen, sondern auch auf Autorinnen in bestimmten Genres wie Sachbuch und Gegenwartsroman, für Autorinnen, die nicht aus Europa oder den USA kommen, für Women of Color und Trans-Frauen.

Denn ich habe mir 12 Aufgaben ausgedacht, die im Rahmen von #WirlesenFrauen bewältigt werden können und zeigen sollen, dass das Spektrum „Autorinnen“ ein breites ist.


- Wie läuft deine Aktion ab und wer kann sich daran beteiligen?

Wir sind offiziell am 08. März 2019, am Weltfrauentag, gestartet.

Die Challenge umfasst 12 Aufgaben, die voneinander unabhängig und mehrmals bewältigt werden können. Je nach Aufgabe gibt es verschiedene Punkte, die gesammelt werden können.

Blogger*innen können ihre Leseliste im Blog festhalten und Rezensionen zu den Büchern schreiben. Es gibt aber auch die Möglichkeit, über Soziale Medien oder in einer Mojoreadsgruppe an der Challenge teilzunehmen. Und natürlich darf jede*r den Hashtag nutzen, ohne explizit bei der Challenge mitzumachen.

Es geht um Aufmerksamkeit für Autorinnen, nicht für mich.

Wer aber dabei ist und bei den Verlosungen, die bis nächsten März zur Aktion laufen, mitmachen will, sollte mir ein Signal geben, wo und wie ich den Lesestatus verfolgen kann.

Mitmachen kann jede*r, der oder die die gelesenen Bücher festhält, so dass ich es verfolgen kann. Ein Einstieg ist jederzeit möglich, da die Aufgaben nicht an Monate gebunden sind. Theoretisch könnte jemand nächsten Februar noch einsteigen und bis zum März alle 12 Aufgaben gelesen haben.


- Wie ist #WirlesenFrauen bisher aufgenommen worden?

Großartig!

Ich hätte mit einem solchen Zuspruch nicht gerechnet: Ich habe schon fast 50 Anmeldungen.

Dutzende mehr nutzen den Hashtag und machen so auf Autorinnen aufmerksam. Deutschlandradio und HyggeMagazin haben über den Hashtag selbst berichtet, aber ohne explizit die Challenge zu erwähnen, die dahinter steht.

Einige Verlage haben mich sofort unterstützt, so dass es die ganzen 12 Monate über immer wieder Gewinnspiele geben wird. Das ist großartig!


- Wie willst du die Aktion weiter verbreiten?

Jede Rezensionen, die mit dem Hashtag gepostet wird, jedes Gewinnspiel, das ich veranstalten kann, jeder Post in den SoMes, der #WirlesenFrauen beinhaltet, sorgt für Aufmerksamkeit.

Außerdem möchte ich beim Literaturcamp Heidelberg eine Session anbieten, wo ich über die Situation der Unsichtbarkeit von Autorinnen reden wollen.


- Feminismus in der Buch-Community – passt das zusammen?

Für mich definitiv.

Ich habe gerade durch die Buch-Community großartige Bücher zu Feminismus kennengelernt und bin mir selbst in meinen Überzeugungen viel sicherer geworden, weil ich nicht den alltäglichen patriarchischen „alle Feministinnen sind böse“-Quatsch gehört habe.

Natürlich kommt es auf den Blog an, die Person, die dahinter steht. Aber uns treibt doch alle an, das wir großartige Bücher lesen wollen.

Und wenn uns klar wird, dass großartige Bücher nicht verlegt (oder im Laden hingestellt, oder gekauft) werden, nur weil eine Frau sie geschrieben hat – und ja, das passiert täglich – wird schnell klar, warum Feminismus in der Buch-Community wichtig ist.

- Wenn du dir die deutschsprachige Buch-Community in fünf Jahren in deinen Träumen vorstellst, was hat sich dann verändert?

Sie ist ausgewogener und vielfältiger, weniger auf Hypes ausgelegt, dafür gleichberechtigter in jeder Hinsicht.

Das gilt nicht nur für Autorinnen, sondern auch für homosexuelle Autor*innen, Autor*innen mit einem anderen kulturellen Hintergrund oder einer anderen Hautfarbe als weiß.

Die grandiosen Selfpublisher-Romane bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen und Blogs schauen nicht nur auf künstlich herbeigeführter Klicks, sondern auf echte Inhalte.

Blogger*innen werden von Buchmenschen und auch den Zeitungen und Literaturwissenschaftler*innen ernst genommen und ihr Beitrag zur Buchwelt wird über den Faktor „Werbung“ hin deutlich.

Ein schöner Traum!

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