Buchsatz für Selbstverleger und Buchautoren

Meine Gesprächspartnerin: Ira Wundram/buchseitendesign

 
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– Bitte stell dich kurz vor: Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Ira Wundram. Ich lebe und arbeite im Rhein-Main-Gebiet. Ende 2017 habe ich mich mit meinem Unternehmen buchseitendesign selbstständig gemacht. Unter diesem Label unterstütze ich verlagsunabhängige Autorinnen und Autoren darin, ihr Manuskript bestmöglich „verpackt“ zu veröffentlichen. Zusätzlich kann man bei mir Korrekturlesen und das Gestalten von Werbematerialien wie Leseproben oder Autogrammkarten buchen.

Insgesamt biete ich eine ganzheitliche Unterstützung an, die über das rein Fachliche hinausgeht. Ich hole meine Kundinnen und Kunden da ab, wo sie stehen, und arbeite gemeinsam mit ihnen heraus, was sie wünschen bzw. brauchen.

Dafür bringe ich zwanzig Jahre Berufserfahrung im Verlagswesen, sechs eigene Buchveröffentlichungen und Weiterbildungen zur Mediengestalterin Print + Web sowie zum NLP-Practitioner mit.

– Was bedeutet Buchsatz?

Unter Buchsatz versteht man das Gestalten des Buchinneren, unabhängig davon ob Taschenbuch oder Hardcover. Der klassische Buchsatz leitet sich aus dem ursprünglichen Bleisatz ab, bei dem der Schriftsetzer Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort zu Zeilen und Absätzen zusammengefügt hat, bis sich daraus ein harmonisches Ganzes ergab – eine für unser Auge angenehm lesbare Buch-Doppelseite.

– Gib uns bitte einen kurzen Einblick in deinen Alltag.

Mein Alltag spielt sich überwiegend am Schreibtisch ab. Für das Gestalten von Printbüchern und eBooks sowie Kundenkontakte arbeite ich vor allem am Computer, beantworte E-Mails und setze Kundenwünsche um.

Der Tag startet bei mir grundsätzlich mit einer Morgenmeditation, um mich mit mir und meinem Höheren Selbst zu verbinden, und endet am Spätnachmittag mit einer Sporteinlage oder einem ausgiebigen Waldspaziergang. Drumherum finden das Familienleben und private Aktivitäten statt. Das Leben ist zu kurz, um nur zu arbeiten!

- Woran erkennst du ein „gesetztes“ Buch und eines, das ohne Buchsatz erstellt wurde?

Typische Kennzeichen eines mit einem Textverarbeitungsprogramm erstellten Buches sind eine große Schrift (Word gibt standardmäßig 11 Punkt vor) mit 1- bis 1,5-zeiligem Abstand, außerdem ein seitenfüllender Buchblock mit wenig Weißfläche an den Rändern. Am besten dann noch die klassische Word-Schrift „Calibri“ oder „Verdana“, kombiniert mit fehlenden Worttrennungen und riesigen Wortabständen aufgrund des erzwungenen Blocksatzes.

Im Gegensatz dazu bietet ein professionell gesetztes Printbuch ein harmonisches Schriftbild pro Doppelseite: angefangen von der relativ kleinen Schriftgröße über den dazu passenden Zeilenabstand, Serifenschrift, ausgeglichene Wort- und Zeichenabstände bis hin zum Textblock, der sich an Gestaltungsrastern wie etwa dem goldenen Schnitt orientiert.

Wer sich mit Buchsatz beschäftigt, erkennt den Unterschied sofort. Ebenso wahrscheinlich ein Vielleser, wenn auch vielleicht nur durch ein Bauchgrimmen oder ein langsames Lesen, weil das Buch „irgendwie keinen Spaß macht“.

– Amazon bietet den KDP-Selbstverlegern Vorlagen, die sie je nach Buchformat nutzen können. Diese sind bereits passend formatiert. 

- Warum sollten Amazon-Selbstverleger neben den Ausgaben für Cover-Design und Lektorat einen professionellen Buchsatz machen lassen?

Diese Word-Vorlagen von KDP oder anderen PoD-Dienstleistern sind ein erster Schritt in die richtige Richtung: Wenn ich gar keine Ahnung habe, wie ich mit Word, das ja im Normalfall auf den DIN A4-Geschäftsbrief oder eine DIN A4-Thesis ausgerichtet ist, ein doppelseitiges Werk in einem komplett anderen Format anlegen soll, sind diese Vorlagen eine hilfreiche Unterstützung, weil schon alle Elemente enthalten sind. Titelei, Seitenzahlen, Inhaltsverzeichnis für Sachbücher (auf keinem Fall bei einem belletristischen Werk für den deutschen Markt!), Kapitelüberschriften etc.

Diese Vorlagen bringen mir allerdings nicht bei, wie ich den Text optisch und satztechnisch korrekt gestalte. Niemand weist mich auf die Wahl der Schrift, der Schriftgröße, des Zeilenabstandes, die Ausgestaltung der Worttrennungen und vieles mehr hin.

Ein Buch fachgerecht zu setzen, war bis in die 1980er Jahre ein regulärer Ausbildungsberuf. Dieses Wissen und die Erfahrung sind in einem Textverarbeitungsprogramm nicht enthalten. Auch nicht in einem Layoutprogramm wie InDesign, Affinity Designer oder QuarkXpress. Dort kann man zwar alles umsetzen, muss aber wissen, was genau erforderlich ist.

Ein gut gesetztes Buch hält die Leserinnen und Leser bei der Stange und unterstützt die Botschaft des Textes, die der Lektor bzw. die Lektorin fein herausgearbeitet hat.

Kurzum: Es braucht alles drei – Lektorat inklusive Korrektorat, Coverdesign und Buchsatz.

– Was würdest du einem Selbstverleger empfehlen, der keinen professionellen Buchsatz bezahlen möchte?

Geh an deinen Bücherschrank oder in die Buchhandlung deines Vertrauens und such dir ein Verlagsbuch heraus, das gut gestaltet ist und das du gerne gelesen hast oder lesen würdest.

Dann gehe daran, Schriftgröße, Zeilenabstand, Buchstaben- und Wortabstände sowie Trennungsabfolgen in Word zu imitieren. Dafür legst du das Dokument in Buchgröße an, gestaltest deinen Text, druckst das Ganze aus und legst die Seite passgenau in das Buch. Was nicht übereinstimmt, musst du so lange korrigieren, bis dein Schriftbild dem des Buches entspricht.

Ja, das ist Bastelarbeit, kann aber zu einem akzeptablen bis zufriedenstellenden Ergebnis führen.

Einen professionellen Buchsatz wird das jedoch nicht ersetzen können.

– Wie unterscheiden sich (das Design und) der Buchsatz von Ebooks und Taschenbüchern?

eBook und gedrucktes Buch sind in Gestaltung und Anforderung nicht miteinander vergleichbar.

Das Printbuch ist statisch: So wie ich es gestalte, wird es gedruckt, verkauft, verliehen, weitergegeben usw. Während des Buchsatzes lege ich unwiderruflich fest, wie das Buch endgültig aussieht.

Beim eBook geht es um etwas vollkommen anderes: Die Programmierung legt nur Rahmenbedingungen fest, damit der Inhalt auf allen Plattformen möglichst optimal dargestellt wird und jeder Leser zugleich die Möglichkeit hat, den Text individuell nach seinen Vorlieben anzupassen.

Das eBook wird in meinen Augen daher auch weniger „gestaltet“, sondern plattformneutral programmiert. Mit CSS-Kenntnissen lässt sich in diesem Rahmen eine gewisse Gestaltung erreichen; das ist quasi das Sahnehäubchen en top.

– Gibt es beim Buchsatz Unterschiede zwischen den verschiedenen Genres?

Ziel eines guten Buchsatzes ist immer die bestmögliche Lesbarkeit – sowohl bei einem eBook als auch bei einem Printbuch. Das geschieht über die Gestaltung des Schriftbilds, das sich nicht von Genre zu Genre unterscheidet.

Lediglich durch die formalen Anforderungen eines Sachbuchs (Inhaltsverzeichnis, Marginalspalten, Fußnoten, Anmerkungen, Tabellen, Illustrationen etc.) kommt es zu zusätzlichen Stilelementen im Vergleich zu einem Roman.

Bei belletristischen Werken erreiche ich eine unterschiedliche Wirkung durch Zierelemente oder die Headline-Schrift. Dann wirkt ein Buch romantisch oder lässt mich erschauern, aber nicht aufgrund mangelhafter Umsetzung, sondern durch die Ausgestaltung.

– Wie verarbeitest du für einen optimalen Buchsatz die Dialoge von Romanen?

Ich orientiere mich dabei an den Vorgaben des Autors. Manche Autoren integrieren Dialoge in einen kompletten Absatz mit beschreibendem Text. Andere lassen Dialoge für sich stehen. Das ist Geschmackssache.

Was die Anführungszeichen anbelangt, bevorzuge ich Chevrons (»…«), übernehme aber natürlich auch die deutschen Gänsefüßchen in der Form „99 unten“ zu Beginn der wörtlichen Rede und „66 oben“ am Ende der wörtlichen Rede. Alle anderen Anführungszeichen werden von mir vor dem Buchsatz korrigiert – mit entsprechendem Hinweis an den Autor. Das gilt parallel auch fürs eBook.

– Worauf sollten Selfpublisher bei Grafiken, Fotos, Bildern und anderen grafischen Erklärungen achten?

Zum einen müssen selbstverständlich die Urheberrechte jeglicher Grafiken, Illustrationen oder Fotos geklärt sein und beim Autor oder der Autorin liegen. Zum anderen muss die Qualität der Darstellung so hochwertig sein, dass eine Veröffentlichung möglich ist. D. h. Farbe, Belichtung, Motiv, Schärfe und Tiefenunschärfe müssen professionellen Ansprüchen genügen.

Zudem ist für den Druck eine Auflösung von 300 dpi vonnöten, meist in Kombination mit einer Umwandlung in Schwarzweiß. Fürs eBook genügt eine Auflösung von 72 dpi in ausreichender Größe, die auch auf einem 24“- oder 28“- Bildschirm einwandfrei darstellbar ist.

– Worüber hast du dich bisher am meisten gefreut?

Über dankbare und glückliche Kunden, die ihr Buch erfolgreich auf dem Markt platzieren konnten. Wenn sie mich dann noch weiterempfehlen, bin ich glücklich!

– Was hast du dieses Jahr noch alles vor?

Ich habe zahlreiche Print- und eBook-Aufträge im Vorlauf. Im Augenblick muss man nach Kontaktaufnahme rund vier bis sechs Wochen warten, bis ich mit einem neuen Auftrag beginnen kann.

Darüber hinaus entwickle ich zurzeit eine intensive Autorenbegleitung in kleinem Rahmen, die sich von der Konzeptphase bis zur Veröffentlichung erstrecken wird. Dieses Programm wird individuell und mit engem persönlichem Kontakt stattfinden.

- Wie können dich Selfpublisher kontaktieren?

Ich bin über das Kontaktformular meiner Website sowie telefonisch und per Mail erreichbar. Außerdem natürlich über meine Facebook-,Instagram-, Xing- und Mewe-Seite.

Vielen Dank für deine Zeit!

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