So entstehen tolle Audiobooks

Meine Gesprächspartnerin: Marta Rechul/liberaudio

 
 

– Seit wann gibt es euren Hörbuchverlag und welche Dienstleistungen bietet ihr für Sachbuch- und Romanautoren an?

Liberaudio gibt es seit Anfang 2016. Wir haben mit der Produktion von Hörbüchern für Selbstverleger gestartet. Genau das betreiben wir bis heute.

Unser Hauptprodukt hat allerdings einen anderen Zweck: Wir bieten Autoren an, ihr fertig produziertes MP3-Hörbuch bei Audible in den Verkauf zu stellen.

Die Herausforderung für Hörbuch-Autoren ist bei Audible Folgende:

Wer ein fertig produziertes Hörbuch hat (ob nun über uns, selbst oder sonst wie produziert), öffnet vermutlich die Website von Audible. Dort sucht er nach einer Möglichkeit, das Hörbuch hochzuladen.

Dann stellt er fest: Es gibt für Autoren bei Audible keine Möglichkeit, das Hörbuch direkt hochzuladen. Das überrascht, wenn man bedenkt, dass Autoren ihre Bücher selbst bei Amazon hochladen können.

Im Hörbuch-Bereich gibt es Anbieter, die einen solchen Service anbieten, darunter Feiyr, Xinxii und Liberaudio. Audible kooperiert nur mit solchen Schnittstellen, die mehr als ein Hörbuch abliefern. Also vorwiegend mit Verlagen und den erwähnten Distributoren.

 

- Viele Selbstverleger starten mit einem Ebook. Bei einem Erfolg folgt meist ein Taschenbuch.

Die wenigsten produzieren jedoch Hörbücher. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Ich schätze, dass das digitale Hörbuch technisch ein sehr abstraktes Produkt ist. Man kann es nicht anfassen und nicht sehen.

Da man das Buchmanuskript bereits hat, ist ein Hörbuch kein neues Material. Aber ein weiteres Produkt kostet zusätzliches Geld. Die Frage, die sich die meisten Autoren stellen: Lohnt sich das? Mein Buch läuft doch schon so lala, warum dann noch mehr Geld investieren? Auch wenn sich E-Book und Taschenbuch gut verkaufen, bleibt diese Frage offen.

Viele Autoren schreiben ihre Bücher selbst. Wenn sie die Produktion des Hörbuchs abgeben, müssen sie sich auf einen Dritten einlassen und die Kontrolle abgeben. Genau das wollen viele Selfpublisher nicht.

 

- Wann lohnt es sich, ein Hörbuch zu produzieren?

Es gibt drei gute Gründe, um ein Hörbuch zu produzieren.

Grund 1: Leser wünschen sich ein Hörbuch

Es sind die Leser, die immer häufiger nach Hörbüchern suchen. Unsere Autoren berichten, dass ihre Leser sie nach einem Hörbuch fragen. Von alleine wären sie eher nicht darauf gekommen, ein Hörbuch anzubieten. 

Wenn man ein vollständiges Buchangebot präsentiert, tritt man professioneller auf.

Ich bin auch Leserin und Hörerin: Auf mich hinterlässt es einen unvollständigen Eindruck, wenn der Autor kein vollständiges Buchangebot präsentiert. Es sollte mindestens aus E-Book, Taschenbuch und Hörbuch bestehen. 

Grund 2: Der Konsum eines Hörbuchs ist flexibler und jederzeit möglich

Mit einem Hörbuch bieten Autoren ihrem Publikum einen einfacheren Konsum.

Hören kann man, ohne dabei seine Hände zu benutzen. Nebenbei erledigen sich allerhand andere Dinge: aufräumen, bügeln, das Kind schaukeln, joggen und andere.

Erotikhörbücher haben als Hörbuch den Vorteil, dass man sie anonymer konsumieren kann. Für den ein oder anderen Fan sicherlich ein wichtiger Grund, auf Hörbücher umzusteigen. 

Grund 3: Marketing: Neues Material zum Pitchen/Launchen von bekannten Inhalten

Ein Hörbuch ist ein Audio-Content-Format, das man auf Audio-Plattformen ausspielen kann. Es lässt sich über Kanäle verbreiten, über die sich Taschenbücher oder E-Books nicht vermarkten lassen:

  • Audible

  • Spotify

  • Soundcloud

Durch diesen neuen Audio-Content eröffnen sich dem Autor neue Wege, das “gleiche” Buch neu zu pitchen.

Außerdem hat der Autor neues interaktives Material, das er zu Werbezwecken nutzen kann:

  • das Hörbuch-Cover

  • evtl. Fotos vom Sprecher

  • Fotos von der Produktion

  • evtl. ein Interview mit dem Verlag/der Produktion 

  • vielversprechende Demo-Hörproben 

 Zusätzlich lassen sich Audio-Formate mit einem sogenannten Audiogram ausspielen. Das ist ein Standbild, das mit Audio-Content unterlegt ist. Dieses Format lässt sich auf Kanälen wie YouTube, Instagram oder auch Facebook ausspielen. Manche Autoren machen für ihr Buch einen kurzen Trailer und unterlegen ihn mit der Hörprobe.

- Was sind die Voraussetzungen, um ein Hörbuch herstellen zu können?

Die Grundlage für ein Hörbuch ist ein Manuskript. Wenn der Autor bereits ein E-Book geschrieben hat, nehmen wir die Textdatei (keine PDF-Dateien) und erstellen ein lesefertiges Manuskript für den Sprecher.

Lesefertig bedeutet, dass der Sprecher nur noch vorliest und wir ihm Anweisungen  liefern; wie zum Beispiel zur Aussprache von Eigennamen.

Der Sprecher liest das Manuskript ein, die Regie kontrolliert die Lesung und gibt Anweisungen zur Korrektur. Es folgen der Schnitt, die Bearbeitung der Lautstärken und Töne und das Mastering. Meistens sind mehrere Personen in die Produktion eingebunden, um am Ende ein einwandfreies und gern gehörtes Ergebnis abzuliefern.

- Was braucht der Autor neben der Audio-Datei noch, um ein Hörbuch anbieten zu können?

Zusätzlich zu den Audio-Dateien benötigt der Autor ein Hörbuch-Cover. Das Cover ist quadratisch - wie bei einer physischen CD. Es muss mindestens die Maße 2400 x 2400 px haben.

Auch die Audio-Dateien sollten technische Mindestanforderungen erfüllen. Im Optimalfall entspricht bei den Audio-Dateien mindestens jedes Kapitel einer Audio-Datei. Die maximale Länge für eine Audio-Datei darf 60 Minuten betragen.

Das Hörbuch braucht ein Intro und ein Outro, in dem der Titel, Autor und Sprecher aufgesagt werden. Im Outro folgt noch der Copyright-Inhaber und das Jahr der Veröffentlichung. 

Die Audio-Dateien und das Hörbuch-Cover sind die zwei wichtige Teile, die der Autor schon bei der Herstellung des Hörbuch beachten sollte. 

Ein weitere wichtige Frage ist die nach der passenden Stimme. Der Autor kann sich bereits im Voraus überlegen, ob er eine bekannte Stimme einsetzt oder einen “üblichen” Profi-Sprecher nimmt. Es stehen tausende Stimmen zur Auswahl. Der Autor kann auch Sprecherdatenbanken durchforsten. An Stimmen fehlt es nicht. :) Bei Liberaudio arbeiten wir mit einer handvoll Sprechern, weil eine zu große Auswahl überfordern kann. 

Vorbereitung der Produktion 

Es hilft der Regie, wenn der Romanautor eine Liste mit den Charakteren bereitstellt. Also eine Beschreibung aller Rollen und ihrer Entwicklung im Laufe des Buches. Auf Basis dieser Beschreibung bereiten wir das Manuskript für den Sprecher vor. 

Außerdem hilft eine Aussprache-Anweisung von ungewöhnlichen und seltenen Eigennamen.

Enthält das Hörbuch Daten, Zahlen, Tabellen, Grafiken oder auch eine Ressourcen Sammlung an Links? Dann hat der Autor zwei Möglichkeiten: 

1. Er stellt uns eine PDF-Datei mit allen Angaben zur Verfügung. Diese PDF-Datei liefern wir als Booklet zum Download an Audible. Die Käufer können sich dann dieses PDF kostenlos zum Hörbuch herunterladen. 

2. Der Autor erstellt auf seiner Webseite eine Unterseite für alle Käufer des Hörbuchs. Wir bringen im Hörbuch an den entsprechenden Stellen die URL für diese Seite unter. Der Autor kann selbst entscheiden, ob der Käufer die Download-Materialien direkt downloaden kann oder zuvor seine E-Mail Adresse hinterlassen soll. Letzteres wäre sicherlich ein kleiner Hack, um die Käuferdaten  zu sammeln. 

 

- Wie hoch sind die Kosten für ein Hörbuch im Durchschnitt?

Die Höhe der Kosten hängt vor allem von drei Faktoren ab:

  1. Sprecher-Honorar

  2. Länge des Buches

  3. Genre und besondere Wünsche

Je bekannter die Stimme, desto teurer die Gage. Je länger das Buch, desto höher der Aufwand und desto teurer. Die Vertonung eines Romans könnte teurer als die eines Sachbuches ausfallen, weil sich die Sprecher hier in mehrere Rollen vertiefen müssen. Oder weil mehrere Sprecher für verschiedene Rollen gewählt werden. Es gibt auch Sprecher, die keine Sachbücher aufnehmen, weil sie diese zu monoton finden.

Die Kosten für ein Hörbuch errechnen sich bei liberaudio folgendermaßen: Nehmen wir einen Ebook-Ratgeber mit 200 Seiten. Umgerechnet könnte das folgenden Umfang als Hörbuch darstellen: 

  • Wortanzahl: ca. 35.000 Wörter

  • Hörbuch-Laufzeit: ca. 4,5 Stunden

Dieses Hörbuch würde in der Produktion bei liberaudio etwa 2.500 Euro kosten, sofern auch der Vertrieb über uns läuft. Die Produktion beinhaltet die Manuskriptvorbereitung, die Lesung sowie die technische Aufbearbeitung wie Schnitt, Lautstärkeanpassung, Korrekturen und das Mastering. 

Ein Roman fällt immer etwas teurer als ein Sachbuch aus, weil bei der Produktion mehr Regie geführt wird. Wünscht sich der Autor zusätzliche Sound-Einlagen, könnte das einen finanziellen Mehraufwand bedeuten.

 

- Wie findet der Autor die passende Stimme?

Oh ja, die Stimme ist sehr wichtig! Wenn ich an der Stimme spare, können die Bewertungen ganz schön unlieb werden.

Stimme ist allerdings auch etwas sehr Individuelles. Was mir gefällt, muss dir nicht gefallen. Persönlich habe ich ein ganz feines Gehör und mag eher dunkle, tiefe Stimmen. 

Eine Stimme sollte immer passen - zum Inhalt, zur Stimmung und zum Autor. 

Autorinnen (besonders von Ratgebern) sollten gut abwägen, ob sie eine männliche Stimme einsprechen lassen. Denn eine männliche Stimme kann mehr Kompetenz vermitteln; vorausgesetzt natürlich, sie interpretiert den Inhalt gut. Das hängt damit zusammen, dass Männer tiefer sprechen als Frauen. Und man nimmt tiefere Stimmen als entspannter wahr. 

Wir schlagen unseren Autoren drei bis vier Stimmen vor. So schränken wir die Auswahl ein, damit wir das Ohr des Kunden nicht überfordern. Der Autor wählt die Stimme aus, die ihm am meisten zusagt. Der ausgewählte Sprecher liest einen Auszug aus dem Buch des Autors vor, damit der Autor ein Gefühl bekommt, ob die Stimme den Inhalt richtig interpretiert. 

Die Hörprobe entspricht ca. 3-5 Minuten Laufzeit und beinhaltet unterschiedliche Abschnitte aus dem Buch. Bei Ratgebern sind es Überschriften, Bulletpoints, Aufzählungen und Beschreibung von Tabellen. Bei Romanen sollten verschiedene und möglichst alle Charaktere vorher probegehört werden, damit es später keine Korrekturen oder Überraschungen gibt. 

Je aufwendiger die Produktion, desto mehr Vorbereitung, Vorgespräche und Abstimmungen bedarf es. 

Meine persönliche Empfehlung an Autoren: Die Stimme sollte sich gut für dein Ohr anfühlen. Aber noch wichtiger ist, dass deine Fans die Stimme mögen. Sie wird nie jedem Follower zu 100% gleich gut gefallen, aber zumindest kannst du ihre Meinung einholen. Frage deine Fans, was sie von den Hörproben halten. Und lasse sie abstimmen, welcher Sprecher ihnen am besten gefällt. 

So schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens bindest du dein Publikum ein. Deine Fans haben das Gefühl, dass ihre Meinung zählt. Und zweitens kündigst du an, dass bald ein neues Hörbuch herauskommt. Das kann der Startschuss für eine tolle interaktive Launch-Kampagne sein. 

Hier ein Beispiel für eine Hörprobe einer männlichen Stimme (Inhalt: Fachbuch).

 

- Macht es für einige Genres mehr Sinn, ein Hörbuch anzubieten als für andere?

Wir hatten eine Zeit lang Rezeptbücher vertont. Wir dachten, dass das Kochen ohne blättern praktisch wäre. Aber Fehlanzeige: Die Rezept-Hörbücher verkauften sich überhaupt nicht. 

Erotik-Romane eignen sich als Hörbucher aus verschiedenen Gründen für den Hörer besonders gut. Man kann sie anonym genießen.

Thriller-Romane und Krimis werden besser als Hörspiel statt als Hörbuch vertont.

Bei Fachbüchern wäre es sinnvoll, das Manuskript so zu überarbeiten, dass es dem Hörer nicht langweilig wird. Bei der Hörbuch-Konzeption und Manuskriptvorbereitung stellen wir uns immer die Frage: Kann der Hörer dem Inhalt gut folgen? 

 

- Wie siehst du die Entwicklung für den deutschen Hörbuchmarkt in den nächsten 5 Jahren?

Audio-Content ist die Zukunft. Unsere Kommunikation, die überwiegend mit dem Mund und den Ohren stattfindet, erlangt immer mehr Wichtigkeit und wird ein integraler Bestandteil des Alltags. Das zeigen die neuesten Apps und Geräte, die sich hauptsächlich durch Sprache steuern lassen. 

Viele Menschen aus meiner Generation hatten lange Zeit Angst, dass die Sprache verkommt und man immer weniger miteinander kommuniziert. Aber das Gegenteil zeichnet sich ab: Menschen werden in Zukunft vermehrt über Sprache miteinander kommunizieren. 

Für Autoren bedeutet das, dass sie die Chance für Audio-Content unbedingt nutzen sollten! Um auch in Zukunft sichtbar zu sein, sei es durch Hörbücher, Podcasts oder vertonte Blogartikel.

Der Hörbuch-Markt wird noch weiter wachsen: 2015 hatte Audible gerade mal 30.000 deutsche Buchtitel gelistet und letztes Jahr einen tollen Zuwachs hingelegt. Mir liegen leider keine aktuellen Zahlen vor, aber Audible wächst. 

Im Vergleich zu den Büchern, die auf Amazon verkauft werden, stecken wir im Bereich Hörbücher noch in den Kinderschuhen.

 

- Was war bisher euer größter Erfolg?

Wir konnten ein paar bekannte Autoren und interessante Bücher ins Boot holen und sind mächtig stolz! Darunter zum Beispiel Joshua Tree, Don Both, Kera Jung und Brandon Q. Morris. 

Für uns ist der größte Erfolg, dass wir Autoren beim Hochladen ihres Hörbuchs bei Audible unterstützen können. Unsere “Konkurrenz” ist in diesem Bereich nicht besonders transparent - weder mit den Informationen noch mit den Kosten.

Im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern setzen wir auf offene Kommunikation: Wie funktioniert das genau? Was braucht man für ein Hörbuch? Wie bietet man es bei Audible an? Und vor allem zu welchen Konditionen?

Unsere Vision ist: Für Autoren soll es einfach, schnell und handlich sein, ihr Hörbuch zu erstellen, zu bewerben und zu verkaufen.

 

- Was habt ihr bei liberaudio in Zukunft noch alles vor?

Wir haben noch einiges vor!

Gerade erarbeiten wir für Autoren, die selbst vorlesen/einsprechen möchten, ein Konzept.

Für Autoren mit hoher Reichweite und Bekanntheitsgrad werden wir ein Erlebnis unter dem Motto: “Fühl dich einmal wie ein Star” anbieten. Wir trainieren das Vorlesen, buchen einen Tag im Studio und nehmen die Lesung des Autors auf. Der Tag wird fotografiert und im Anschluss ein Interview geführt. Aus diesem Tag entstehen ein einzigartiges Erlebnis und Material für eine Hörbuch-Launch-Kampagne. 

Wir bereiten einen kostenlosen Mitgliederbereich für Autoren vor, um ihre Hörbucher automatisch in die Shops zu bringen. Denn wir möchten Autoren unterstützen, ihre Hörbücher besser zu vermarkten, die Verkäufe anzukurbeln und ihnen zeigen, wie sie ihre Hörbücher besser launchen können. Mehr möchte ich noch nicht verraten ;) 

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