Tipps & Tricks vom Bestseller-Autor

Mein Gesprächsparnter: Martin Krist/martin-krist.de

 
 

- Hi Martin, bitte stell dich kurz vor: Wie war dein Werdegang als Autor?

Ich bin Schriftsteller in Berlin, wollte schon immer spannende Geschichten schreiben, schon seit ich als kleiner Junge nächtelang die Bücher von Karl May, Agatha Christie und Stephen King verschlungen habe.

Ich bin den Umweg über den Journalismus gegangen, habe ein Volontariat absolviert, war Redakteur erst einer Wochenzeitung, dann Chefredakteur eines Musik- und eines Lifestyle-, später eines Stadtmagazins. Vor zwanzig Jahren habe ich mich als Buchautor selbstständig gemacht.

Anfangs schrieb ich Sachbücher und Biografien, seit etwa zehn Jahren endlich Krimis und Thriller. Ich habe mir meinen Kindheitstraum erfüllt.

 

- Du wirst als „böser Bube“ unter den deutschen Krimi-Autoren bezeichnet. Verrate uns mal, wie dieser Spitzname entstanden ist.

Das war dank einer Rezension im Berliner Kurier. Die Redakteurin hat meinen Thriller »Drecksspiel« rezensiert und kam begeistert zu dem Urteil: »Martin Krist ist der wirklich böse Bube unter den deutschen Krimi-Schreibern.«

 

- Woran arbeitest du gerade?

Im Augenblick an meinem ersten Psychothriller, der im Mai erscheinen wird. Mehr darf ich dazu noch nicht verraten, nur soviel: Es wird was Besonderes, Exklusives.

Außerdem bereite ich mich auf »Kalte Hölle« vor, der dritte Teil meiner Henry Frei-Reihe. Und natürlich auf »Mörderhitze«, Band 2 der Freak City-Serie, an der mein ganzes Herzblut hängt.

 

- Worin unterscheiden sich die Henry Frei- und die Freak City-Thriller?

Henry Frei ist Kommissar und Held meiner neuen Berliner Thriller-Serie. Jeden der Henry Frei-Fälle kann man eigenständig lesen. Aber es gibt einen großen, übergreifenden Handlungsbogen. Wie immer in meinen Romanen hat alles mit allem zu tun. Weshalb auch der Name Henry Frei nicht von ungefähr kommt. Doch erst wer alle Geschichten gelesen hat, wird den Namen verstehen.

Mit »Freak City« wiederum habe ich mir einen Traum erfüllt: eine Thriller-Reihe, die in New York spielt. New York ist für mich Millionenmetropole, Sündenpfuhl, Sehnsuchtsort. Nach mehreren Aufenthalten und Recherchereisen im Big Apple ist im November 2018 mit »Hexenkessel« der erste Band erschienen. Viele weitere werden folgen. Da es sich beim »Freak City« außerdem um eine offene Serie handelt, wird es Sonderbände geben, in denen andere Autoren neue Figuren einführen und meine Nebenfiguren weitererzählen.

 

- Wie entstehen deine Ideen?

Meine Thriller haben viel mit meinem Umfeld zu tun. Ich bin ein Stadtmensch. In meinem Geschichten spiegelt sich das urbane Leben. Schmutzig. Hektisch. Schnell. Berlin. In Berlin finde ich immer wieder die Ideen zu meinen Geschichten. Zum Beispiel … kehrte ich eines Nachts, kurz nach 1, mit meiner Eurasierhündin Bjella von der letzten Hunderunde im Park heim. Ich sah, wie direkt vor unserer Haustür drei Jugendliche eine Frau überfielen. Als sie mich mit dem Hund entdeckten, ergriffen sie die Flucht, nicht ohne der Frau noch die Handtasche zu entreißen.

Später überlegte ich mir, was gewesen wäre, wenn man mich überfallen hätte - und meine Frau hätte jetzt zu Hause gesessen, auf meine Rückkehr gewartet, die Schlüssel an der Wohnungstür klimpern gehört, sich gefreut, doch nicht ich wäre ins Wohnzimmer gekommen, sondern ...

Aus diesem furchterregenden Gedanken entstand die Idee zu »Drecksspiel«.

 

- Wie entwickelst du deine Charaktere und wie hauchst du ihnen Leben ein?

Meist ist erst die Idee zu einer Geschichte da. Diese macht konkrete Charaktere erforderlich, also beginne ich, diese zu entwickeln: Wie sollten sie aussehen? Welche Eigenschaften müssen sie besitzen? Und ganz wichtig: Was wird ihnen widerfahren, damit der Roman spannend wird?

Leben hauche ich ihnen ein, indem meine Figuren reden. Nichts macht sie lebendiger als Dialoge. Weshalb meine Thriller getrieben sind von Dialogen.

 

- Da du schon so lange im Geschäft bist und als Verlagsautor und nun als Selbstverleger arbeitest: Welche drei Dinge würdest du einem Erstlingsautor ans Herz legen?

Arbeite professionell. Verliere den Glauben nicht. Und bleibe dir treu.

 

- Was meinst du: Ist es heutzutage besser Verlagsautor oder Selbstverleger zu sein?

Nach zwanzig Jahren als Verlagsautor verschiedenster Publikumsverlage fällt meine Entscheidung ganz klar pro Selfpublisher aus.

Zuletzt habe ich bei den Verlagen nämlich nur noch Personalabbau, Lektorats-Chaos und Stangenware erlebt, für mich als Autor, der einen hohen, professionellen Anspruch an seine Arbeit erhebt und gerne auch Neues ausprobiert, sehr frustrierend.

Als Selbstverleger habe ich jetzt die volle Freiheit  und absolute Kontrolle. Ich denke, das liest man und merkt man meinen Werken an.

 

- Du hast eine tolle Webseite! Sie ist nicht die typisch informative Autorenseite, sondern eine Seite, die emotional mitreißt und Lust auf deine Bücher macht. – Sah deine Webseite früher anders aus? - Erzähl mal, wer dahinter steckt.

Oh ja, früher sah meine Webseite anders aus – gruselig. Aber als ich 1999 meine erste Autorenseite ins Netz stellte, waren die Möglichkeiten noch begrenzt. Inzwischen hat sich vieles verändert, auch meine Webseite, die ebenfalls meinen professionellen Ansprüchen genügen muss.

Von einer Freundin, die Webdesign und -programmierung studierte, habe ich mir vieles abgeguckt, sodass ich meine Internetseite inzwischen selbst einrichte.

 

- Was macht für dich eine tolle Autoren-Webseite aus? Spielt sie überhaupt eine Rolle?

Ja, definitiv. Ich selbst informiere mich regelmäßig auf den Webseiten meiner Lieblingsautoren. Natürlich sprechen mich tolle Internetseiten mehr an. Insofern sollten sie, wie du zuvor schon sagtest, emotional mitreißen sowie Lust auf die Bücher machen.

 

- Du organisierst demnächst auch einige Lesungen. Warum machst du Lesungen und wie wählst du die Orte aus?

Ich absolviere seit zwanzig Jahren Lesungen, sie gehören zum Autorenalltag hinzu. Manchmal treten Veranstalter, Buchhandlungen oder Bibliotheken an mich heran, weil sie von mir gehört haben, weil sie meine Bücher kennen, weil sie Fans meiner Thriller sind. Oft suche aber auch ich den Kontakt, weil Lesungen für mich der direkte Weg zu meinen Leserinnen und Lesern sind.

 

- Was sind für dich die drei Erfolgsfaktoren für eine tolle Lesung?

Die Leserinnen und Leser wollen einen spannenden Einblick in mein Buch erhalten, sie wollen mich als Autor erleben, sie wollen Spaß haben. Es hilft also nicht, einfach nur monton ein paar Seiten runterzuleiern. Ein abwechslungsreiches Programm ist von Vorteil, das heißt: Ich plaudere locker und amüsant über mich als Autor, meinen Alltag, meine Recherchen, meine Erlebnisse, und zwischendurch lese ich immer wieder Auszüge aus meinem Roman ein – grundsätzlich immer mit einem Cliffhanger endend, damit die Leserinnen und Leser ganz versessen darauf sind, das Buch zu kaufen ...

 

- Du schreibst auf deiner Webseite, dass du keine Leute magst, die nicht lesen. Das fand ich interessant und amüsant zugleich. Was steckt hinter dieser Aussage?

Martin Krist: Ich lese und schreibe, seit ich ein kleiner Junge bin. Bücher, Romane, Geschichten sind mein Leben, also möchte ich mich auch darüber austauschen. Mit Leuten, die nicht lesen, kann ich das nicht. Und ich möchte es auch nicht.

 

- Vor kurzem unterhielt ich mich mit einer Erstlingsautorin über das Verhältnis zwischen Selbstbewusstsein und Verkaufspreis ihres Buchs. Wie denkst du darüber?

Ich bin mir nicht sicher, ob das Selbstbewusstsein abhängig ist vom Verkaufspreis – oder umgekehrt.

Wichtig ist: Ich muss an mich und meinen Roman glauben.

Klar könnte ich dann für mein Buch Euro 19,99 verlangen, weil ich überzeugt bin, dass es das meinen Leserinnen und Lesern wert sein sollte. Vermutlich ist es das aber nicht, egal wie toll mein Werk ist. So funtiontioniert der Markt nämlich nicht.

Will ich, vor allem als DebütautorIn, Leserinnen und Leser finden, muss ich Reichweite erzielen. Wenn ich keinen Verlag im Rücken habe, der für mich kräftig die Werbetrommel rührt (und das ist leider in den seltensten Fällen so), dann kann ich nur mit einem Billigpreis auf den Markt gehen.

 

- Deine Meinung: Vermarktung über Amazon oder nicht?

Amazon ist ein wichtiger Faktor, keine Frage. Dennoch würde ich mich nicht ganz alleine auf Amazon verlassen, denn die Gefahr, dass Amazon als Monopolist irgendwann Regeln diktiert, ist groß. Das möchte ich als Autor nicht.

 

- Wo bietest du deine Bücher an?

Überall, wo es Bücher gibt. In allen Online-Stores, in allen Buchhandlungen. Als Ebook, als Taschenbücher, einige meiner Thriller auch als Hörbuch, sowohl als CD, Download und Stream.

 

- Worüber würdest du dich dieses Jahr am meisten freuen?

Ich kann von meinen Büchern leben. Ich arbeite zu Hause und erlebe hautnah meinen kleinen Sohn, wie er die Welt entdeckt. Ich erfreue mich daran jeden Tag aufs Neue. Ich bin glücklich und zufrieden. Wenn es dabei bleibt – darüber würde ich mich freuen.

Vielen Dank für deine Zeit!

 

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