Wie entstehen Buchcover?

Meine Gesprächspartnerin: Casandra Krammer/Herzgezeiten Buchdesign

 
 

– Wie bist du zu Buchcoverdesign gekommen, Casandra?

Vor einigen Jahren habe ich auf BookRix meine eigenen Texte veröffentlicht. Damals konnte man dort auch Buchcover hochladen. Da ich gerade angefangen hatte, mir Photoshop beizubringen, habe ich meine eigenen gestaltet.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht! Also fing ich an, auch für Freunde und Kollegen Buchcover zu designen. Irgendwann ist dann ein Verlag auf mich zugekommen und hat mich um Hilfe gefragt. Von da an habe ich immer mal wieder für kleine Verlage und Autoren gearbeitet.

2010 war Self-Publishing gerade im Kommen und deswegen gab es viele Autoren, die nach einem Designer suchten. Nach einer Zeit hatte ich mir einen kleinen Kundenstamm aufgebaut. 2012 fing ich das Abitur an, um danach Design zu studieren.

Zu dem Studium ist es aber nie gekommen, weil ich nach dem Abitur bereits so in der Bücher-Community integriert war, dass ich meinen Lebensunterhalt mit den Buchcovern bestreiten konnte.

Seit 2016 bin ich voll selbständig und freue mich, dass ich auch nach so vielen Jahren immer noch so viele begeisterte Kunden habe.


– Warum ist das Thema Buchcover gerade jetzt so spannend?

Bücher sind sehr wandelbar. Sie gehen mit der Zeit und genau dasselbe passiert auch mit den Buchcovern. Man lernt immer etwas dazu und es wird nicht langweilig. Da ich sowohl mit Verlagen als auch mit freien Autoren arbeite, habe ich jeden Tag mit anderen Menschen zu tun, die alle ihre eigene Vision verfolgen.

Die Selbständigkeit ermöglicht es mir, sehr frei zu arbeiten und auch meine Zeit einzuteilen. Ich liebe Literatur und es bereitet mir große Freude, ein Teil des Veröffentlichungsprozesses zu sein.

Ich liebe es, für meine Kunden da zu sein. Über die Jahre sind viele von ihnen zu guten Freunden geworden. Die meisten von ihnen sind ebenfalls selbständig oder auf dem besten Wege dahin. - Das bedeutet, ich arbeite mit leidenschaftlichen Menschen, die alle an ihre Bücher glauben. Das ist eine wunderbare Energie!

Die Buchmessen sind für mich immer ein Highlight, da ich dort viele Menschen treffe, mit denen ich meistens nur telefoniere oder Mails schreibe.


– Mein Credo lautet: "Das Cover soll ein Blickfänger sein." – Wie siehst du das?

Ich glaube, dass ein Buchcover mehr als das ist. Natürlich ist seine erste Aufgabe, das Buch zu verkaufen und deshalb auf sich aufmerksam zu machen. Anders als bei anderen Produkten gehört das Design aber auch zur Geschichte.

Das beste Cover ist nicht nur ein Blickfang, sondern eine perfekte Schnittstelle zwischen Aushängeschild und Inhalt.


– Was macht für dich ein gutes Buchcover aus?

Ein gutes Buchcover spricht in erster Linie die richtige Zielgruppe an, ist handwerklich gut gemacht und spiegelt das Buch wider. Das kann man auf viele verschiedene Arten machen. - Es muss nicht immer eine eins-zu-eins-Umsetzung des Inhalts sein. Es reicht schon, das richtige Gefühl zu vermitteln.


– Welche Unterschiede gibt es bei Covern für die verschiedenen Genres (beispielsweise Sachbuch – Roman – Kinderbuch)?

Buchcover sind genauso vielfältig wie die Bücher, für die sie gemacht sind. Trotzdem hat jedes Genre gewisse Eigenschaften. Diese Eigenschaften können sich über die Zeit ändern. Romane aus den 60ern sehen anders aus als die von heute. Das hat zum einen mit der Technologie zu tun, die uns heute zur Verfügung steht, zum anderen entwickelt sich die Literatur weiter. Wenn ich also von Merkmalen spreche, dann sind diese nur für die Buchcover der letzten Jahre gültig.

Wer wissen möchte, wie die Covertrends aus 2018 aussahen, kann gerne einen Blick auf meinen Blogartikel werfen.

Liebesromane

Auf romantischen Büchern sehen wir oft knallige oder pastelligen Farben und einen Mix aus klaren und verspielten Schriftarten. Wie bei fast allem, was mit Romantik zu tun hat, ist die Farbe Rosa häufig zu sehen.

In den letzten Jahren hat man in diesem Genre sehr oft vier Motive gesehen: Liebespaare, heiße Kerle, Cover, die nur aus Schrift bestehen oder Scherenschnitt-Motive. Bei letzteren handelt es sich um Motive, die aus Silhouetten und Zeichnungen bestehen.   

Thriller/Krimis

In diesem Genre sieht man häufig drei Farbkombinationen: Schwarz und Rot, Schwarz und Blau oder Rot und Blau.

Thrillers setzen auf deutliche Kontraste. Die Motive sind plakativ, wie zum Beispiel das Zeigen von Gegenständen, gerne mit Blut. Oder sie setzen bildliche Metaphern zusammen. Dieses Cover zeigen oft starke, serifenlose Schriften.

Kinderbücher

Kinderbuch-Cover kann man nicht klar definieren, da sie eher eine Altersgruppe repräsentieren, als ein Genre. Was viele Kinderbücher aber gemeinsam haben, ist, dass ihre Cover illustriert und farbenfroh sind.

Fantasy und Sci-Fi

Wie auch Kinderbücher, sind Fantasy und Sci-Fi Cover nicht klar definiert und können in alle Richtungen gehen. Das hängt auch damit zusammen, dass viele dieser Geschichten mehrere Genres in sich vereinen.

Wenn man von den klassischen Buchcovern ausgeht, dann haben viele Sci-Fi Cover einen futuristischen Look, der sich an der Schrift und in den Motiven zeigt. Das Weltall, die Farbe Blau und vor alledem viel Kontrast sind wiederkehrende Elemente.

Fantasy Cover sind im Gegensatz zu Sci-Fi oft verspielter und bedienen sich Elementen, die organisch oder magisch sind. So finden wir viel Dekoration, Ornamente, kunstvolle Schriften und Bildmotive, die es in der Realität nicht gibt, wie etwa Engel, Vampire und neue Welten. Wie genau die Motive aufgebaut sind, hängt davon ab, in welchem Subgenre sich das Buch bewegt. Ist es High Fantasy? Dann kommt das Cover häufig mit epischen Landschaften und illustrierten Bildern daher. Oder ist es Urban Fantasy? Dann sind die Motive moderner und haben öfters Menschen auf der Titelseite.

Historische Romane

Da diese Bücher in der Vergangenheit spielen, bedienen sich die Cover häufig Sepia-Tönen und haben einen Vintage- oder Retro-Look. Auf diesen Covern finden sich oft Gemälde aus der Zeit, in dem die Geschichte spielt oder der Designer bedient sich alten Fotografien. Gerade wenn es romantisch wird, tauchen auf historische Covern gerne Frauen in passenden Gewändern auf.

Ratgeber

Cover von Ratgebern sind eher praktisch und zeichnen sind in den meisten Fällen durch klare Bilder und einen minimalistischen Gestaltungsstil aus.


– Wer sind deine Hauptkunden und warum kommen sie zu dir?

Ich gestalte in allen Genres außer Kinderbücher. Die meisten meiner Kunden kommen mit Coverwünschen für Unterhaltungsliteratur zu mir. In den letzten 2 Jahren habe ich die meisten Cover für Liebesromane, Thriller und romantische Fantasy gestaltet.

Ich denke, dass meine Autoren zu mir kommen, weil sie die Qualität meiner Arbeit und meine Erfahrung in der Buchbranche schätzen. Viele Designer, die für verlagsunabhängige Autoren arbeiten, gestalten einfach das, was der Kunde ihnen sagt. In meinen Augen muss ein Designer gleichzeitig auch Experte und demnach Berater sein. Das bedeutet für mich, dass ich gerne auf Kundenwünsche eingehe, dabei aber einschätzen muss, ob das Motiv auch marktfähig ist und sich verlauft.

Oft habe ich Kunden, die mit einer Vorstellung zu mir kommen, die im Endeffekt nicht das ganze Potential ausschöpft oder teilweise unbrauchbar ist. Meine Aufgabe ist es, den Markt zu kennen und Lösungen anzubieten, die die richtige Zielgruppe erreicht.


Das geht auch nur durch Kommunikation, ich setze mich gerne mit meinen Autoren zusammen und wir entwickeln gemeinsam eine Idee weiter oder sie lassen sich überraschen und wählen dann aus verschiedenen Entwürfen aus.


– Welche Fehler machen deine Kunden am öftesten?

Der Großteil der Autoren, die ihre Cover selber machen, sind keine Grafikdesigner. In den meisten Fällen haben sie nur eingeschränkte Kenntnisse, was Bildbearbeitung angeht und versuchen dann mit beschränkten Mitteln etwas zu basteln, was am Ende selten verkaufsreif ist.

Grafikdesign ist in erster Linie keine Kunst, sondern ein visuelles Produkt, das Menschen entweder eine Botschaft übermitteln oder sie zum Handeln anregen soll. Es ist daher schön und trotzdem funktional.

Das fängt bei der richtigen Farbwahl und Bildkomposition an und hört bei der Schrift auf. Viele Laien schaffen es nicht, diese drei wichtigen Elemente in Einklang miteinander zu bringen. Häufige Fehler sind daher handwerklich schlecht bearbeitete Bilder, unpassende Schriften und ein fehlendes Gefühl für Farben.

Es werden unleserliche Schriften benutzt, der Kontrast zwischen Text und Bild ist oft entweder zu stark oder zu schwach oder die Farben sind nicht richtig angepasst. Oft sind selbst gestaltete Cover zu grell, was daran liegt, dass die Autoren über einem Bildschirm arbeiten und oft nicht beachten, dass das Buch eventuell gedruckt wird und dort andere Parameter gelten.


– Was würdest du einem Autor oder Selbstverleger raten, der sein erstes Buch veröffentlichen will?

Man tut gut daran, das Cover und den Buchsatz in fähige Hände zu geben.

Viele Autoren vergessen, dass Bücher von innen nicht wie ein Word Dokument aussehen und in einem professionellen Buchsatz mindestens so viel Arbeit steckt, wie in einem Cover. Einige Distributoren wie BOD und KDP haben extra Word-Vorlagen für den Buchsatz. Wer also wirklich auf Geld achten will, sollte sich Zeit nehmen und die Vorlagen an das eigene Buch anpassen.

Sowohl das Cover als auch das Lektorat würde ich niemals selbst machen, es sei denn, ich bin vom Fach. - Und selbst dann sollte man jemand zweiten über den Text drüberlesen lassen.

Auch für Buchcover gibt es günstige Alternativen.

Darüber hinaus bieten viele Designer Premade-Cover an. Das sind vorgefertigte Designs, bei denen nur noch die Angaben wie Titel, Autorenname und Klappentext geändert werden müssen. Diese sind um einiges günstiger als ein Coverauftrag.

Fähige Designer, Lektoren und Buchsetzer findet man auf Facebook in diversen Gruppen und auf Instagram, speziell unter den Hashtags #Selfpublishing, #Buchcover oder #Buchsatz. Alternativ guckt man bei der Autorenwelt oder dem Selfpublishing-Markt vorbei. Diese haben Listen mit einer großen Auswahl an Dienstleistern.

– Warum gibt es wenig Designer, die sich auf Buchcover spezialisieren?

Ich würde nicht behaupten, dass es an Designern mangelt, die Buchcover machen. Es geht er darum, dass es sehr wenig Designer gibt, die diese Kunst voll und ganz gemeistert haben.

Der Beruf des Designers ist nicht geschützt. Jeder darf einfach eine Webseite erstellen und sich Grafikdesigner nennen. Das bedeutet, dass es da draußen viele Gestalter gibt, die nur wenig Ahnung von Grafikdesign haben und trotzdem Buchcover erstellen.

Im Grunde kann sich jeder mit YouTube-Tutorials Photoshop beibringen. Ich habe das auch nicht anders gemacht. Der Unterschied ist aber, dass Grafikdesign keine Kunst, sondern ein Handwerk ist, dass gewissen Regeln unterliegen.

Ich persönlich bin keine ausgebildete Grafikdesignerin und ich habe das auch nie studiert. Dafür arbeite ich aber seit 8 Jahren in diesem Beruf und kenne mich in der Buchbranche aus.

Vielen Designern fehlt es auch einfach an den Grundlagen. Das bedeutet, dass man am Ende jemanden beauftragen könnte, der leider gar keine Ahnung hat, was er da genau macht.

Wer also auf der Suche nach einem Designer ist, sollte sich etwas Zeit dafür nehmen und sich das Portfolio genau ansehen, bevor er eine Anfrage stellt.

Vielen Dank für deine Zeit!

Du kannst Casandra über ihre Webseite kontaktieren.

 

Buchcover Design Casandra Krammer.png