Bestseller sind keine Zufälle

Welcher Autor träumt nicht von einem Bestseller?

In der Diskussion um Bestseller ist manchmal von Glück, Talent und Zufall die Rede.

Manche Selfpublisher-Anbieter und -Dienstleister übernehmen diesen Gedanken und schreiben auf ihren Seiten, dass sie keine Garantie für ihre Services übernehmen. Sie könnten nicht versprechen, wie sich das Buch des Autors entwickelt.

Nur: Will irgendjemand für eine Leistung zahlen, die dem Zufall überlassen ist?


Die Wahrheit ist: Bestseller lassen sich machen. Dazu gehören Vorarbeit, Marketing und regelmäßiger Einsatz. Selbst in einem Coaching bedeutet das, dass der Autor einen Beitrag zum Erfolg des Buchs leisten müssen will. Im ultimativen Leitfaden zum Buch schreiben führe ich die Eigenschaften an, die ein Bestseller-Autor aus meiner Sicht mitbringen muss.

Gehen wir mal die wichtigsten Punkte für einen Bestseller durch.


Formelle Punkte eines Bestseller-Buchs

Bevor das Buch überhaupt veröffentlicht werden kann, muss die Qualität überprüft werden. Welche Punkte sind wichtig?


1. Klares Genre für das Buch festlegen

Bei Erstlingsautoren passiert manchmal schon vor dem Schreiben ein Fehler: Sie schreiben ein Buch, das in zwei Genres angesiedelt sein könnte: Liebesgeschichte mit Krimi-Handlung oder Fachbuch mit autobiografischen Inhalten.

Leser sind Gewohnheitstiere und möchten eine Liebesgeschichte lesen, die zu 100% ihre Erwartungen erfüllt. Sie werden eine Buch, das gleichzeitig Liebesgeschichte und Krimi ist, wohl aus der Hand legen und schlecht bewerten. Genauso mit einem Fachbuch, das autobiografische Inhalte enthält.

Deshalb schon vor dem eigentlichen Schreiben bestimmen, in welchem Genre das Buch angesiedelt sein soll. Und dann die Spielregeln dieses Genres studieren und sich als Autor daran halten.

Auch vom Marketing her wird es später einfacher: Ein Buch mit einem klaren Genre lässt sich besser vermarkten. Der Buchcoverdesigner weiß, was er tun soll. Der Klappentext lässt sich einfach erstellen. Die Wunschleser fühlen sich angesprochen.


2. Fehlerfreiheit im Buch sicherstellen

Das Buch muss frei von Fehlern sein.

Das Minimum ist eine Rechtschreibkorrektur in einem Textverarbeitungsprogramm.

Amazon überprüft das Manuskript des Ebooks und des Taschenbuchs vor dem Hochladen und zeigt dem Autor eine Fehlermeldung an. So kann er vor der Veröffentlichung noch einmal den Text durchgehen, korrigieren und fehlerfrei hochladen.

Wer einen professionellen Anspruch an seine Bücher hat, sollte in professionelles Korrektorat investieren; besser noch in Korrektorat. Damit sind Anbieter gemeint, die sich auf diese Themen spezialisieren. Man findet sie über eine Suche auf Google, aber selten bei Freelancer-Plattformen.

Vor kurzem berichtete eine Autorin auf Instagram, dass ihr ein aufmerksamer Leser ihr Taschenbuch mit allen Korrekturen zurück geschickt hat. Das fällt unter “freundlich”. Doch nicht alle Leser verhalten sich so. Viele Rezensionen bei Amazon zeigen, wie unzufrieden Leser mit schlechter Qualität im Sinne von Grammatik- und Rechtschreibfehlern sind.

Daher: Etwas Geld zur Seite legen und zumindest in ein Korrektorat investieren.


3. Testleser und ihr Feedback einholen

Testleser sind oft Familienmitglieder oder gute Freunde. Doch nicht immer würden diese Menschen wirklich das Buch kaufen. Sie tun dem Autor einen Gefallen.

Und genau diese beiden Punkte sind das Problem: Diese Leser sind weder die Wunschleser des Autors noch sehen sie sich das Buch aus einer kritischen Perspektive an.

Besser ist, sich eine Gruppe an Testlesern aufzubauen, die dem Wunschleser gerecht wird. Als Autor kann man sie über Social Media-Posts oder -Grupppen finden. Bewährt hat sich, eine Liste an Kriterien anzulegen, damit die Interessenten schon wissen, ob sie als Testleser in Frage kommen.

Zusätzlich kann der Autor einen Fragebogen mit offenen Fragen zum Buch verschicken. Hier wäre es geschickt, mit einer Skala von 0 bis 10 zu arbeiten: Wenn die Frage keine 10 vom Testleser erhält, was kann am Buch noch verbessert werden?

Mit dem Feedback überarbeitet der Autor die einzelnen Stellen vor der Veröffentlichung noch einmal.


4. Ein Hingucker-Cover gestalten

Mit Hingucker-Cover ist ein so tolles Cover gemeint, dass es unter die Kategorien „Cover Porn“ fallen könnte (entsprechend dem Ausdruck „Food Porn“). Es sticht unter den anderen Covern des Genres oder Themas auf einen Blick hervor.

In den meisten Fällen kriegt das nur ein professioneller Buchcover-Designer oder Mediengestalter hin. Heutzutage findet man sie viel schneller und einfacher als früher: Viele Designer und Gestalter haben auf Instagram und Pinterest Profile mit ihren Portfolios. Man findet sie über Hashtags wie #buchcoverdesigner und kann auf einen Blick vorherige Cover und den Stil des Gestalters sehen. Die lange Recherchezeit über Google und einzelne Webseiten fällt somit weg.

Ein anderer Weg ist, sich auf den Profilen und Webseiten der Bestseller-Autoren des eigenen Genres umzusehen. Sie erwähnen oft den Designer ihrer Cover und verlinken auf ihn.


Online Marketing-Helfer für das Bestseller-Buch

Online Texte unterliegen bestimmten Kriterien: Suchmaschinen interpretieren sie und ranken sie je nach Einzigartigkeit, Relevanz und Länge. Als Autor kann man viel dafür tun, dass die Suchmaschinen die Bücher besser aufspüren und den Lesern in ihren Suchanfragen gut anzeigen.


5. Keywords im Titel oder Untertitel verwenden

Keywords sind Suchanfragen der Leser, die sie über die Zeit häufen. Man kann das einfach mit einer Suchanfrage in der Google- oder Amazon-Suchbox austesten: Scheint die Wortkombination im auto-complete auf, liegt der Suchbegriff vor.

Besonders bei Sachbüchern macht es Sinn, den Titel mit einem Keyword zu versehen. Denn der Titel ist Teil der Meta-Daten, die Suchmaschinen interpretieren. Und so hat der Autor eine zusätzliche Möglichkeit unter einem wichtigen Keyword gefunden zu werden.

Ist der Titel bereits festgelegt, würde sich bei Sachbüchern der Untertitel für ein Keyword eignen. Bei Romanen macht es mehr Sinn, die Keywords in einen Untertitel oder in die Werbetexte einzubauen.


6. Mehrere Werbetexte erstellen

Die Werbetexte für ein Buch sind mehr als der eigentliche Klappentext. Ein Buch braucht Werbetexte für:

-        Das Ebook auf Webseiten

-        Das Ebook bei Buchverkaufsplattformen

-        Den Buchrücken des Taschenbuchs

-        Den Werbetext für das Audiobook-Cover

-        Die Kurzbeschreibung der Social Media-Seiten

-        Den Presse- oder PR-Kit

-        Die Email-Signatur und den Newsletter

Da die meisten Inhalte online gestellt werden, sollten die Texte nicht 100% die selben sein. Suchmaschinen mögen einzigartigen Content. Autoreln sollten die die Werbetexte deshalb auf die jeweilige Seite anpassen und sich an deren Vorgaben halten. So braucht eine Buchwebseite auf der eigenen Webseite etwa 1.000 Wörter, damit Google sie in seinen Suchanfragen gut ausgibt.


7. Mit einigen Rezensionen starten

Rezensionen sind die wahre Königsdisziplin. Wenn Klappentexte schon eine Herausforderung sind, sind Rezensionen Schwerstarbeit. Denn die wenigsten Leser hinterlassen Rezensionen. Und wenn, dann sind es meistens die Leser, die nicht besonders zufrieden sind.

Es gilt also, die Leser für die Rezension zu motivieren. Wie bringt man sie am besten dazu?

  • Handlungsaufforderungen einbauen, wo es geht

  • Rezensionen von Testlesern zeigen und zum Rezensieren auffordern

  • Textschnipsel oder online Lesungen machen und zum Rezensieren motivieren

  • Ins Nachwort des Buchs aufnehmen

  • Über Kooperationspartner und Blogger um Rezensionen bitten

  • Vorablese-Plattformen nutzen

Rezensionen sollten regelmäßig generiert werden. Als Autor muss man sich dahinterklemmen, um die Leser regelmäßig zum Rezensieren aufzufordern.


8. Einen Launch-Plan erstellen

Um das Buch auch nach der Veröffentlichung für Gesprächsstoff sorgen zu lassen, erstellt man einen Buchlaunch-Plan. In den drei (und im Idealfall sechs) Monaten nach der Veröffentlichung plant man für jeden Monat zumindest eine Marketing-Maßnahme, die das Buch zum Thema macht. Daneben plant man die Aktionen auf der Webseite, im Newsletter und auf Social Media-Seiten.

Bei den monatlichen, großen Maßnahmen gilt es, an etwas so Großes zu denken, dass es die Leser wirklich umhaut.

Um nicht ins Schleudern zu kommen, kann man auch den “Content Recycling”-Weg gehen. Als Beispiel: Der Autor macht eine Live-Lesung. Er macht davon Fotos und postet sie auf Social Media. Daneben sammelt er die Reaktionen der Zuhörer und veröffentlicht sie in einem Blog-Post auf seiner Webseite. Die Aktion wird also genutzt, um Inhalte für alle Marketing-Kanäle zu nutzen.


Anforderungen an einen Bestseller-Autor

Abseits von den beiden vorherigen Punkten, braucht der Autor auch noch andere Skills und Fähigkeiten. Meistens ist der Knackpunkt der Wille, sich mit diesen Punkten zu beschäftigen.


9. Tiefes Wissen zu seinen Wunschlesern haben

Am Wunschleser führt kein Weg vorbei. Denn das Buch verkauft sich nicht “an alle Menschen”. Es gibt immer einen ganz bestimmten Menschen, der das Buch gerne liest und weiterempfiehlt. Genau diesen muss der Autor aufspüren und sich mit seinem Verhalten und seinem Denken beschäftigen.

Leser wollen keine Facts und faden Stories zum Buch oder zum Autor hören. Ein Leser kauft ein Buch vor allem wegen des Gefühls, das das Buch oder der Autor bei ihm auslösen. Das Gefühl, das ich als Autor erschaffen muss, werde ich nur nach eingehender Beschäftigung mit dem Wunschleser kennen.

Hier eine Anleitung zu einem Wunschleser-Profil:



10. Eine auf sie angepasste Strategie und Inhalte erstellen

Manchmal fragen mich die Autoren auf Social Media um Tipps und Rat. Ich gebe sie gerne, weil ich gerne mehr Lachen statt Frust sehen möchte und als Leserin spannende und gute Bücher kaufen will.

Tipps und Ratschläge ersetzen keine Strategie-Beratung. Und es gibt nicht die eine Strategie. Es gibt nur die, die auf deine Wunschleser und auf deine persönliche Situation passt.

Als Autor mit Bestseller-Wunsch überlegt man zwei Dinge:

  • Wo erreiche ich meinen Wunschleser? Kanäle, online, offline, lesend, hörend, sehend,…

  • Wie erreiche ich ihn? Auftritt, Branding, Botschaften, Texte,…

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11. Eine Webseite, die Google lieb hat, gestalten

Viele Autorenseiten sehen so aus, als hätte die Person dahinter sich 10 Minuten Zeit für sie genommen. Lieblos geschriebene Texte gepaart mit wenig ansprechenden Fotos.

Wo aber informiert sich ein Leser, der über eine Buchverkaufsplattform oder über eine Social Media-Seite auf das Buch oder den Autor stößt? Auf der Webseite des Autors. Und wenn der Autor ihn dort nicht emotionell mitreißt, vertschüßt sich der Leser schneller als wir “Warte mal” sagen können.

Die Professionalisierung eines Autors steht und fällt mir der Kenntnis über den Wunschleser und dem Vorhandensein einer Webseite.

Die Webseite ist DAS Aushängeschild für das Buch und für den Autor. Sie sollte das Hauptaugenmerk in der Vermarktung bekommen. Wenn der Autor monatlich 10 Stunden für Social Media aufwendet, sollten 10 weitere Stunden in die Webseite fließen.


12. Regelmäßig Zeit nehmen, um den Lesern Lust auf das Buch zu machen

Wer am Anfang Vollgas gibt, ist wahrscheinlich kurz danach komplett ausgepowert. Besser ist es, realistisch zu bleiben und sich abhängig vom eigenen Alltag zu überlegen, wie viel Zeit man regelmäßig in das Marketing zum Buch stecken kann.

Daneben werden sicher noch andere Buchprojekte geschrieben oder Texte überarbeitet. Das Marketing eines Buchs sollte zumindest 50% der Zeit in Anspruch nehmen.

Das könnte so aussehen:

  • Social Media-Posts für einen Monat vorausplanen (3 Stunden)

  • Kooperations-Partner anschreiben (1 Stunde)

  • Am zweiten Buch schreiben (4 Stunden)


13. Sinnvolle Kooperationen mit professionellen Partnern eingehen

Von einem befreundeten Autor mag man von einem Podcaster, Blogger oder Vlogger hören, der super tolle Beiträge macht und eine große Leserschaft hat.

Partner sollten echte Partner sein und dem Autor auf Augenhöhe begegnen (er übrigens auch). Sich die Seiten und Beiträge der potenziellen Partner anzusehen, ist Pflicht. Man will herausfinden, welche Qualität ihre Beiträge haben.

In der Kommunikation mit den möglichen Partnern findet man dann heraus, ob man zueinander passt.

Webseiten-Content ist ewig. Einmal im Web, verteilt er sich. Und man will ganz sicher einen verlässlichen, ehrlichen und guten Partner finden, der qualitätsvolle Inhalte erstellt.


14. Autorenbio und PR-Kit erstellen

Mit Blick auf die Kooperations-Parnter will man es dem Partner so einfach als möglich machen. Er soll sich nicht mühselig alle Informationen über den Autor zusammenklauben müssen. Machen wir ihm das Leben einfach und erstellen eine ansprechende Autorenbio und einen Presse-Kit.

Zur Autorenbiografie gehören ein professionelles und sympathisches Foto in guter Qualität.

In den Presse-Kit kommen der Klappentext, Rezensionen zum Buch, Auszeichnungen und Kontaktdaten des Autors (Webseite, Email, Social Media-Profile).


Warum hat sich der Bestseller-Erfolg bisher nicht eingestellt?


Das weiß ich nicht. Im Erstgespräch höre ich mir die Situation an und löchere den Autor mit Fragen zu diesen Punkten. Wenn Stats oder Daten schon vorliegen, umso besser: Sie sind handfester als Vermutungen.


Geh als Autor die obigen Punkte ehrlich durch und hol dir zu deinen "Schwachstellen" Tipps oder eine Beratung. Auf meinem Blog gibt es einiges an Beiträgen.

Manche Autoren schalten bezahlte Werbung, ohne diese Punkte mit Ja zu beantworten. In den meisten Fällen bekommen sie mehr Likes und Abonnenten/Besucher, die das Buch aber nicht kaufen. Die "angeworbenen Leser" vertschüßen sich nach einiger Zeit wieder. Die Autoren sind noch frustrierter als vorher.

Geh Ressourcen schonend vor: Bau dein Buch und Marketing so gut auf, dass Leser es von sich aus kaufen. Tun sie es nicht, verbessere die Schwachpunkte.

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