In welche 5 Fettnäpfchen ich bei meinem ersten Buch getreten bin

Welche Fehler ich bei meinem ersten Buch gemacht habe - und welche du nicht machen solltest

Wenn ich mich an mein erstes Buch erinnere, greife ich mir manchmal fassungslos auf die Stirn. Ich bin in jedes erdenkliche Fettnäpfchen getreten, das man sich nur vorstellen kann.

Das Schreiben war noch die kleinste Herausforderung: Ich hatte einen Plan, mir die Bücher der Mitbewerber gut angesehen und ein Alleinstellungsmerkmal gefunden. Glücklicherweise wusste ich, dass man seine Texte mit Tools überprüfen und verbessern kann. Im Großen und Ganzen beherrsche ich die deutsche Rechtschreibung gut und musste keinen Lektor für die Korrektur des Texts heranziehen.

Aber bei allen anderen Dingen hatte ich einen zwei- bis dreimal so großen Arbeitsaufwand, weil ich sie selbst in die Hand nahm anstatt sie einem Profi anzuvertrauen.

Damit meine ich folgende Punkte:

Buchcover-Design

Talent für Graphikdesign muss einem in die Wiege gelegt sein. Um meine machte die Talent-Fee einen großen Bogen. Doch bei meinem ersten Buchcover dachte ich mir damals nicht viel: Ich kaufte ein Bild von einer Photo-Datenbank und erstellte das Cover im Programm Canva.

Das Buch verkaufte sich im ersten Monat ganze drei Mal. Das war ein echter Schlag in den Magen!

Als ich mich mehr in die Thematik einlas, hörte ich von Buchcover-Designern: Das sind Graphik-Designer und Mediengestalter, die sich auf das Design von Buchcovern spezialisieren. Und selbst unter ihnen gibt es Designer, die nur Fantasy-Cover erstellen. Gerade weil sie sich auf ein bestimmtes Genre spezialisieren, kennen sie Trends und gestalten die tollsten Cover überhaupt. So jemanden wollte ich finden!

Ich machte mich auf Freelancer-Plattformen nach solchen Buchcover-Designern auf die Suche. Schnell stellte ich fest, dass sie oft ihre besten Arbeiten in ihren Portfolios zur Schau stellten, aber die echte Arbeit am Buch nicht immer gleich gut war. Deshalb begann ich mit einer Hashtag-Suche auf Social Media und wurde fündiger. Ich fand zwei Designer, die regelmäßig gute Cover in ihren Beiträgen veröffentlichten. Das wirkte überzeugend und ich schrieb sie an. Einer der beiden schickte mir einen Fragebogen, in dem er nach Wünschen und Details zum Buch fragte. Mit diesem Designer überarbeitete ich mein altes Cover. Es war keine Überraschung, dass sich das Buch fünfmal mehr als in den ersten Monaten verkaufte.

Meine Erkenntnis und mein Rat sind heute: Ein Buch braucht ein professionell erstelltes Buchcover. Das Cover ist (neben dem Titel) der erste Teaser, über den die Leser auf das Buch aufmerksam werden. Unter Selbstverlegern hat sich das herumgesprochen und der Großteil arbeitet mittlerweile mit professionellen Buchcover-Designern zusammen. Gegenüber den Mitbewerbern kann man sich als Selbstverleger nur mit einem professionell erstellten Buchcover behaupten. Bücher ohne gute Cover gehen im Meer der konkurrierenden Autoren unter.

Für Ebooks ist Buchcover-Design im Durchschnitt preiswerter als für Taschenbücher. Buchcover lassen sich von preiswerteren pre-made Covern kaufen: Hier bieten die Designer und Mediengestalter Cover-Vorlagen an, die sie für jeden Autor etwas abändern. Bei Taschenbüchern werden die Cover teurer; schließlich kommt der Buchrücken als Design-Element hinzu. Designer und Mediengestalter bieten auch Ebook- und Taschenbuch-Pakete an.

Fremde Bilder und deren Bildrechte kaufen sie im Namen des Autors an. Es ist wichtig, dass sich der Designer mit Bildrechten auskennt. 

Lies mehr zum Thema Buchcover-Design in diesem BEITRAG oder erfahre wichtige Insights im INTERVIEW mit einer Buchcover-Designerin.

Buchsatz beim Taschenbuch

Mein erstes Buch bot ich am Anfang Monaten als Ebook an. Diese Herausforderung zu meistern, war einfach: Den Text einfach in einer Wurst herunterschreiben, ein anklickbares Inhaltsverzeichnis anlegen und das Manuskript mit dem Cover zusammenfügen. Ich freute mich, dass das alles so einfach über die Bühne ging. Das Ebook war draußen und ich stolze Buchautorin!

Aber an meinem ersten Taschenbuch biss ich mir fast die Zähne aus. Mein Fehler war, dass ich mir zu wenig Gedanken um das Buchformat und den Buchsatz machte. Was herauskam, war für das Genre wenig passend und wenig ansprechend formatiert. Das Buch wäre ewig so auf Amazon dahin gedümpelt.

Glücklicherweise hinterließ mir ein Leser eine hilfreiche Rezension: Er beschwerte sich über das unhandliche Buchformat. Ich sah mich also genauer in meinem Genre um und stellte fest, dass die meisten Kochbücher quadratisches Format haben. Meines stach (negativ) hervor und war in der Küche nicht zu gebrauchen. Ich hatte nicht an das Leserverhalten und den Einsatz des Buchs gedacht. Nun machte ich mich an eine Überarbeitung und brachte den Text mit den Bildern in ein quadratisches Format. Besser noch hätte ich das Kochbuch sofort einem professionellen Buchsetzer gegeben: Dann wären nicht so viele Stunden an Fluchen, Formatieren, Reformatieren und Kaffee-Trinken drauf gegangen. 😉

Dieses erste Taschenbuch erstellte ich in Word. Was nicht verwerflich ist, denn Word ist bei wenig umfangreichen und textlastigen Büchern ein Mittel zum Zweck und erfüllt eine gute Aufgabe. Damals wusste ich noch nicht, dass Amazon die Selbstverleger mit MANUSKRIPT-Vorlagen unterstützt. Mit diesen Vorlange wäre die Einrichtung der Seitendimensionen nicht so herausfordernd gewesen wie in Word.

Das Buchformat war noch längst nicht alles, was meine erste Taschenbuch-Version nicht besonders ansehnlich machte: Mein erstes Taschenbuch hatte keine Seitenzahlen und kein Inhaltsverzeichnis. Der Klappentext war eine langweilige Zusammenfassung des Buchs. Noch heute schlage ich mir auf die Stirn, wenn ich daran denke. 😉

Das Inhaltsverzeichnis bekam ich nach einiger Zeit in Word hin und es sah ansprechend genug auf. Doch mit den Seitenzahlen verpatzte ich mich: Ich wusste nicht, dass Leser an einen bestimmten Aufbau und eine Ausrichtung gewöhnt sind. Meine Kapitel begannen auf der linken Seite und ich quetschte sie aneinander anstatt leere Seiten einzubauen und dem Buch mehr Luft zu geben.

Was ich mit den Fotos der Gerichte verbrach, möchte ich hier nicht erwähnen. 😉

Nach einigen frustrierenden Versuchen suchte ich mir über eine Freelancer-Plattform einen Layouter, der die Situation in einem Design-Programm löste. Das Taschenbuch verkauft sich 90% besser als das Ebook. (Was mit Sicherheit mit dem Genre zu tun hat.)

Testleser

Dass man für ein Buch Testleser braucht, erschien mir einleuchtend. Nachdem die letzten Wörter geschrieben waren und ich eine grobe Rechtschreibprüfung gemacht hatte, gab ich mein erstes Buch an Familienmitglieder und Freunde und bat sie um ihr Feedback. Ich erwartete tolle Kommentare und viele Details. Doch sie waren mit Feedback und Kritik zurückhaltend: Sie fanden es gut und bemängelten wenig.

Was mir erst später bewusst wurde: Meine Familie und meine Freunde waren größtenteils überhaupt nicht die Zielgruppe für mein Buch. Denn nur selten lesen sie Sachbücher zu Ernährungs- oder Umweltthemen. Die meisten meiner Bekannten sind Krimi-, Thriller- und Fantasy-Fans. Sie quälten sich wahrscheinlich durch jede Seite meines Buchs. 😉

Als ich enttäuscht über so wenig Feedback an meinem Schreibtisch saß, leuchtete mir das irgendwann ein. Die besten Testleser schienen Menschen zu sein, die Themen wie meine generell interessierten und die schon andere Bücher oder Autoren zu diesen kannten. Genau solche Testleser würden mein Buch kritisch unter die Lupe nehmen, mir ehrliches Feedback geben und das Buch unter Umständen weiter empfehlen.

Wie aber konnte ich sie finden? - Ich machte mich auf die Suche nach diesen wichtigen Testlesern und hakte in themenverwandten Facebook-Foren und auf Social Media nach. In meinen Posts fragte ich ganz genau nach: “Du solltest 20 bis 30 Jahre alt sein, weiblich, Interesse zum Thema Ernährung haben, dir mindestens drei Stunden Zeit zum Lesen und Beantworten nehmen,…” Ich hoffte auf zwei oder drei Rückmeldungen. Doch erstaunlicherweise meldeten sich auf meine Posts tatsächlich mehrere Interessenten, die mein Buch gerne lesen und bewerten wollten. Ich hatte sogar die Qual der Wahl, mir die passenden Testleser auszusuchen.

Im ersten Testlauf erhielt ich sehr allgemeines Feedback. Aber an Aufgeben war nicht zu denken! Über einen englischsprachigen Blog kam ich auf die Idee, meinen Testlesern einen Fragebogen mit offenen Fragen zuzuschicken.  Als ich das machte, erhielt ich detailliertes Feedback. Genau das half mir, einige Inhalte zu überarbeiten und ein tolles Buch für meine Zielgruppe zu veröffentlichen.

Das überarbeitete Buch erhielt viel bessere Rezensionen als die erste Version. – Die Zeitinvestition in gute Testleser hatte sich gelohnt!

Vermarktung

Von Anfang an war mir klar, dass ich mein erstes Buch bei Amazon veröffentlichen wollte. Ich hatte keine Zeit, mir einen Verlag zu suchen. Und ich dachte, dass ich auch im Alleingang gute Erfolge erzielen würde. Schließlich gab es viele Vorzeige-Beispiele, die ihre Erfolge auf Youtube und Facebook feierten. Sie alle schienen mit ihren Büchern im Monat vier- bis fünfstellige Beträge bei Amazon zu verdienen. Das würde doch auch für einen Anfänger wie mich schaffbar sein!

Ich machte mich in Video-Tutorials mit der Plattform für Amazon-Selbstverleger vertraut. Aus heutiger Sicht überflog ich die Informationen. Ich wollte mein Buch schnell anbieten und dachte: Wenn es draußen ist, kaufen es die Leser automatisch.

Ich lud die Manuskript-Datei mit dem Titel und Untertitel hoch. Die wichtigen Amazon-Einstellungen zu den restlichen Meta-Daten kannte ich damals noch nicht. Ich nahm mir auch keine Zeit, sie kennenzulernen. (MEHR zu diesem Thema in diesem Beitrag.)

Und ich war durch das Feedback der Testleser so überzeugt, dass ich die Werbetrommel für mein Buch überhaupt nicht rührte. Aus heutiger Sicht war ich zu überzeugt und selbstverliebt. 😉

Heute weiß ich: Kein Buch der Welt verkauft sich, nur weil es veröffentlicht ist. Das muss schon ein nischiges Thema mit top optimierten Meta-Daten sein, um es in die vorderen Reihen zu schaffen.

Im Durchschnitt muss man sich als Autor ins Zeug legen, damit potenzielle Leser vom Buch erfahren. Bei Amazon gibt es einige Dinge, die das Buch den Lesern automatisch anzeigen. Online kann man für sein Buch viel auf der eigenen Webseite und auf Social Media-Kanälen tun.

Mein Buch verkaufte sich im ersten Monat drei Mal. Das war ziemlich enttäuschend und ich suchte auf deutschen und englischen Blogs nach Hilfe. Ich wurde bei englischsprachigen „Selbstverleger-Gurus“ fündig, die noch heute meine Götter sind. (Mehr in diesem BEITRAG.)

Als ich ihre Empfehlungen umsetzte und die Optimierungen vornahm, stiegen die Verkäufe und die gelesenen Seiten automatisch an. Ich freute mich riesig, denn ich hatte es richtig gemacht.

Doch die Freude war nicht von langer Dauer: Nach nur drei Monaten stagnierte die Situation wieder: Ich konnte meine Verkäufe nicht steigern.

Im Austausch mit einer befreundeten Autorin wurde mir klar, dass ich mir meine Zielgruppe suchen und meine Marketing-Inhalte an sie anpassen musste. Ich hatte mich nur auf die technischen Optimierungen konzentriert, war aber am wichtigsten Punkt vorbeigelaufen: meine Zielgruppe.

Ich setzte mich für zwei konzentrierte Stunden an den Schreibtisch und erstellte ein Wunschleser-Profil. Diese Person malte ich mir in Gedanken aus und das Aufmalen des Wunschlesers ergab sich von selbst. Und seither hängt sie bei mir an der Wand und zusammen gefaltet im Notizbüchlein, wenn ich auf Reisen bin. (Mein Wunschleser ist weiblich. 😉) Dieses Bild hilft mir, mich bei jeder Aktion zu fokussieren: Wird sie dieser Post wirklich interessieren? Ist der umgearbeitete Klappentext spannend genug?

Rezensionen der Leser

Als mein erstes Buch veröffentlich war, freute ich mich auf die Stimmen meiner Leser. Ich konnte es gar nicht erwarten, das Feedback von meinen Lesern zu hören.

Das Buch verkaufte sich nach den Optimierungen und dem Wunschleser-Profil etwa 40 Mal pro Monat. Doch keiner der Käufer hinterließ mir eine Rezension. Nicht ein einziger. Ich dachte: Wie kann denn das sein? – Hatte ich etwas übersehen?

Heute weiß ich, dass die große Mehrheit der Leser das Buch kauft, liest, für gut oder schlecht befindet und sich dann ins nächste Buch-Abenteuer stürzt. Als Autor muss man sich dahinter klemmen, damit Leser Rezensionen schreiben. Mehr zum Thema Rezensionen gibt es in diesem BEITRAG.

Ich hatte an meine Leser hohe Erwartungen nicht nur hinsichtlich der Rezensionen, sondern auch in Bezug auf die Qualität der Kommentare. Mit negativen Stimmen rechnete ich nicht. Und deshalb traf mich die erste kritische Review in Mark und Bein. Ich konnte nicht verstehen, wie der Leser dieser 1-Sterne-Rezension gar nichts an meinem Buch fand. Es tat mir regelrecht körperlich weh, dass er mir eine negative Review hinterlassen hatte. Heute bin ich mir im Klaren, dass jedes Buch der Welt auf Leser trifft, die es lieben und auf solche, die gar nichts damit anfangen können.

Das zweite Learning, das ich aus den Rezensionen mitnehme: Auf potenzielle Leser wirken 5-Sterne-Rezensionen abschreckend. Sie möchten auch kritische Stimmen sehen, um das Buch auf Echtheit zu prüfen. Erfahrenere Leser und Amazon-User wissen, dass sich die Echtheit der Rezensionen mit Tools wie reviewmeta.com überprüfen lassen.

Die Lösung zu dieser Herausforderung waren mehrere Dinge:

  • In das Vorwort des Ebooks nahm ich die Bitte auf, mir eine Rezension zu hinterlassen.

  • Auf meiner Facebook-Seite setzte ich die gleiche Bitte unter die Buch-Posts.

  • Einige Beiträge zum Buch waren die Leserstimmen der bisherigen Käufer, um potenzielle Leser zum Schreiben zu motivieren.

Rezensionen sind Schwerstarbeit. Die guten News sind, dass das Buch für den Beginn nur etwa fünf authentische Reviews braucht. Das ist eine angemessene Zahl, um überzeugend zu wirken und potenzielle Leser zum Anlesen anzuregen.

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 Lass es mich gerne hören: In welche Fettnäpfchen bist du am Anfang getreten? Welchen Rat würdest du einem Neulingsautor geben?